Aus der Natur
Welk sind die Blätter, Eis deckt die Seen, traurig ziehen die Vögel gen Süden. Traurig, denn der Norden ist ihre Heimat, seinem Himmel gilt ihre Sehnsucht. Jean Sibelius veröffentlichte das Lied «Norden» im Jahr 1917 als erstes seiner sechs Lieder op. 90. Ein schwedisches Gedicht seines Lieblingsautors Johan Ludvig Runeberg liegt ihm zugrunde. Es steht für alles, was Sibelius wichtig war: Runeberg, die Zugvögel, die Symbolik der Natur, das schmerzhafte und dennoch schöne Aufeinander-Angewiesen-Sein von Norden und Süden in Europa.
«Norden» ist zum Titel geworden für ein ganzes Album mit Sibelius-Liedern, das der Pianist Kristian Attila zusammen mit der Sopranistin Pia Freund und dem Bariton Tommi Hakala aufgenommen hat. Die Auswahl hätte schöner, treffender, repräsentativer kaum sein können: Es sind Lieder dabei, die alles aus der Naturstimmung – mit monomotivischen Spielfiguren im Klavier – entwickeln. Es sind balladeske Erzählungen darunter und flamboyante Konzertlieder in ebenbürtiger Zeitgenossenschaft von Richard Strauss. Man findet – im strophischen Walzer des Eingangsduetts «Der Gedanke» – Nachklänge von Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms, aber ebenso frankophile ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Jan Brachmann
Als Goethe 1824 «Tancredi», Rossinis ersten Welterfolg, in Weimar sah, störte er sich an der «hohlen Prätention einer heroischen Oper»: «Wenn nur keine Helme, Harnische, Waffen und Trophäen auf dem Theater erschienen wären»! Was Cordula Däuper jetzt in Mannheim mit dem selten gespielten Stück angestellt hat, hätte Goethe wohl gefallen. Sie vertraut dem...
In Chicago bekommt man nicht übertrieben häufig neue Stücke vorgesetzt, ganz zu schweigen von solchen, die tatsächlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen (wie etwa 1992 William Bolcoms «McTeague», definitiv ein repertoiretaugliches Werk). Entsprechend große Beachtung fand deshalb der erste Opernversuch des aus Peru stammenden Komponisten Jimmy López (*1978),...
Im Barocktheater war alles ganz einfach: Man spielte in festen Bühnenbildern, mehrfach gestaffelten Prospekten aus Holz. Veränderte Schauplätze wurden durch Umgruppierungen dieser Elemente erzielt, zudem garantierte der «arco scenico», also die gebogene Struktur über dem Bühnenportal, als «natürlicher» Reflektor gute akustische Verhältnisse für das, was auf den...
