Aus der Ferne schwebt der Klang

Benjamin: Written on Skin Sankt Gallen / Opernhaus

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Wie Ameisen auf der Haut fühlt sich diese Musik an. Ein fortwährendes Kribbeln, kaum zu lokalisieren zunächst. Dann plötzlich beißender Schmerz: jähe Präsenz und Wachheit. In «Written on Skin» entdeckt George Benjamin das Große im Kleinen, also braucht auch Otto Tausk am Pult keine wuchtige Geste: Oft sind es die scheinbar flüchtigen Momente, ein Vibrieren der Kontrabässe, ein Schweben des Fagotts, eine singende Bratsche, die entscheidend zum emotionalen Nachhall der Sankt Galler Neuproduktion beitragen.

Ein Herr gibt den Auftrag, das Buch seines Lebens zu illuminieren.

Die Frau fordert Realismus anstelle von Heroisierung. Und verliebt sich in den Buchkünstler. Der Mann ersticht den Knaben und zwingt die Frau, dessen Herz zu essen.

Aus der Ferne schwebt der Klang: Mirella Weingartens Bühne besteht aus zwei Spiegelflächen, aus Boden und Himmel, die schräg aufeinander zulaufen und den Blick aufs Orchester lenken: Als gut sichtbarer Motor und Mitspieler ist es im Hintergrund platziert. Es ist eine ausgesprochen kluge Bühne, und Andreas Volks Licht macht sie vollends wandelbar, bis hin zum scheinbar zufäl­ligen Schattenspiel auf dem Sichtbeton des Theaterbaus.

«Written on Skin» ist eine ...

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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Clemens Prokop

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