Aus dem Leben eines Taugenichts
Mich treiben heut’ beim Frühstück zwei ganz große Fragen um. 1) Wenn Donald Trump beim Bad im Selbstbräuner zu ertrinken drohte, würde ich ihn retten? 2) Was ist eigentlich heutzutage der Sinn und Zweck von Festivals? Antwort 1 lautet nein. Antwort 2 ist kompliziert.
Neulich hab ich irgendwo gelesen, dass Großbritanniens ältestes Festival – Three Choirs – ins Leben gerufen wurde, um für die Chöre von Gloucester, Worcester und Hereford Geld ranzuschaffen, da ging’s um hübsche Profite. Steht heute natürlich nicht mehr im Mission Statement.
Später entwickelten sich die Festivals, wie wir alle wissen (beziehungsweise hoffen), zu etwas anderem. Zu einer Gelegenheit, Musik und Kunst an einem besonderen Ort zu huldigen. Vor der Erfindung von Schnellbahnstrecke und Billigflug war die Anreise mühselig. Im Umkehrschluss kam man auch nicht so leicht wieder davon. Ein guter Grund, sich richtig einzulassen. Auf seltene Stücke und mutige Produktionen, die sich im Repertoirebetrieb schwer rechtfertigen ließen.
Ich bin meine gesamte Karriere hindurch bei Festivals aufgetreten. Ein paar Wochen am Strand von Aldeburgh den Wellen beim Kieselwälzen lauschen? Zwei Monate ins weiße Licht der Provence ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Christopher Gillett
Eigentlich haben Szene und Musik bei den Bayreuther «Parsifal»-Aufführungen nur selten zusammengepasst. Die Diskussion setzte schon wenige Jahre nach der Uraufführung ein, als Felix Mottl das Dirigat von Hermann Levi übernahm und damit – so hörten es jedenfalls die Antisemiten, darunter Witwe Cosima – das Stück insgesamt neu beleuchtete. Hans Knappertsbusch hasste...
Endlich ist er in Russland angekommen: Mieczyslaw Weinbergs «Idiot». Zwar gab es 1991 ein paar Aufführungen an der Pokrovsky Kammeroper in Moskau, doch gespielt wurde damals eine stark gekürzte Fassung, die bald vom Spielplan verschwand. Für das russische Publikum ist Weinberg bis heute eher ein namenloser Filmkomponist als Schöpfer von Klavier- und Kammermusik,...
Neben Händels Opern haben mittlerweile auch etliche seiner Oratorien den Weg auf die Bühnen der Welt gefunden. Selbst ein so dezidiert undramatisch angelegtes Werk wie «Messiah» wurde bereits verschiedentlich szenisch realisiert. Händels Oratorium über den alttestamentlichen König Saul hingegen, der dem Wahnsinn verfällt und, von Gott verlassen, in der Schlacht...
