Aus dem Leben eines Taugenichts
Neulich fuhren wir – das Ensemble aus Robert Carsens «Midsummer Night’s Dream» beim Festival in Aix-en-Provence – mit dem Zug rauf nach Lyon: Die sogenannte Sitzprobe stand an. Kolleginnen, die bisher ausschließlich in Jeans und Schlabberpullis herumschlurften, trugen plötzlich kurze Röcke, High Heels und schichtweise Make-up, um nachher mit dick getuschten Wimpern hinüber ins Blech und sonstwohin zu klimpern – eine uralte Tradition, das ist in jeder Sitzprobe so. Der Mann von Ehre trägt selbstverständlich weiterhin Schlabberpulli.
Zugegeben: Nach drei konsequenten Wochen in Shorts hatte ich immerhin mal wieder eine lange Hose an.
Obwohl wir alle Englisch-Muttersprachler sind, sagen wir das wirklich: sitzprobe. Es ist eines dieser deutschen Worte, für die uns nie etwas Eigenes eingefallen ist. Wie angst. Oder poltergeist.
Meine Brotgeber allerdings – momentan Franzosen – nennen diese Probe die Italienne. Fragen Sie mich bitte nicht, wieso, irgendeine Geschichte wird schon dahinterstecken. Aber ich frage mich doch: Ist das das Bild, das sich Franzosen von italienischen Probenbedingungen machen? Ehrlich? Sänger, die gemütlich herumsitzen und Zeitung lesen dürfen, bis der Dirigent ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christopher Gillett
Kurz vor elf ist der Kleine Dorfsaal in der Volksschule voll besetzt. Noch macht er sich rar, der berühmte Pensionär, auf den alle warten. Aber dann strebt er plötzlich zum Podium, durch silbergraue Reihen. Das Durchschnittsalter des Publikums: siebzig plus. Über «Die Kunst des Klavierspiels» soll Alfred Brendel sprechen. Ein uferloses Thema. Aber natürlich geht es...
Welche Rolle passt besser zu Ihnen? Musetta oder Sophie?
Beide passen. Ich bin handfest wie Sophie. Sie hat ein gewisses Feuer, etwa wenn sie sich über den Ochs aufregt oder energisch mit ihrem Vater spricht – das habe ich mir übrigens auch mal erlaubt, als ich 15 war.
Und wie hat Ihr Vater reagiert?
«Wer bist du denn?», hat er gefragt. Darauf ich: «Ich bin Golda, wer...
Die Musik ist ein gemischter Salat, angerichtet von vielen Könnern», besagte ein Bonmot neapolitanischer Impresari über die Gattung des Pasticcio. Das beherzigte mitunter auch der geschäftserfahrene Georg Friedrich Händel: Für seine Saison-Menus am King’s Theatre in London rührte er je nach Bedarf und Auslastungszahlen Pasticci aus der neapolitanischen Küche...
