Aus dem Ensemble

Strauss: Der Rosenkavalier Hagen / Theater

Opernwelt - Logo

Was haben die Spätromantik und das erfundene Rokoko des Duos Hofmannsthal-Strauss mit dem Surrealismus zu tun? Auch mit scharfgestellter Dramaturgen-Lupe wollen partout keine belastbaren Verbindungslinien sichtbar werden. Dennoch tappen in Gregor Horres’ Hagener Inszenierung des «Rosenkavalier» immer wieder gesichtslose Männer im schwarzen Anzug mit Bowler-Hut auf dem Kopf wie auf einem Magritte-Bild herum, schieben Trennwände hin und her. Was trennen sie? Die Innen- von der Außenwelt? Die Realität vom Traum, vom Spiel? Es bleibt unklar.

Jan Bammes’ Bühne ist ansonsten karg und überwiegend dunkel, Yvonne Forsters Kostüme peilen eine nostalgisch angehauchte Gegenwart an. Kein Rokoko, keine Verweise auf die Entstehungszeit, bloß einige poppig grelle «Achtung: Kitsch!»-Warnungen, wenn Strauss’ silbrig-süße Klänge sich verdichten: So schweben in der Rosenüberreichungs-Szene zwei Amoretten über die Köpfe und streuen neckisch Glitzerstaub.

Ansonsten geht es auf der Bühne nüchtern zu: Während der Ouvertüre gibt es kein lüsternes Wälzen im Lotterbett der Marschallin, sondern zwei getrennte Betten zu sehen – dem einen ist ein stummer älterer Herr im steifen Gehrock zugeordnet, im zweiten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Patchwork

Für Helmut Krausser, den Librettisten, ist er schlicht «der Mann, der alles wissen wollte»: Anasthasius Kircher (1602-1680). Ein universalgebildeter Jesuit, der aus der Rhön stammte und in Rom unermüdlich nach Wegen suchte, den Dingen auf den Grund zu gehen. Kircher beschäftigte sich mit Mathematik, Medizin, Musik, Astronomie, Biologie und Akustik, er analysierte...

Ein Fragezeichen, mehr nicht

Ein Montag im Juni. Der Zuschauerraum der Münchner Kammerspiele liegt im Halbdunkel, in Reihe 8 sitzt David Marton, in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen, und reibt sich die Augen. In wenigen Minuten beginnen die Endproben zu «Figaros Hochzeit», die Zeit rast, fünf Tage bleiben bis zur Premiere – und Marton kämpft gegen ein Problem, das nur die wenigsten Regisseure...

Burlesker Totentanz

Das Gedankenspiel hätte ihm ­gefallen: Nach den Regeln der Quantenmechanik, meinte der Physiker Erwin Schrödinger 1935, könne eine Katze, die man in eine Kammer mit instabilen, sprich: potenziell strahlenden Atomen einschließe, gleichzeitig lebendig und tot sein. Warum? Weil man nicht weiß, wann genau die Kerne zerfallen und ihre radioaktive Energie freisetzen....