Aufgeheitert
Zunehmende Lebenserfahrung kann die Menschen ja in zwei Richtungen lenken: Die einen werden verbissen, die anderen altersmilde. Jürgen Flimm gehört zur zweiten Kategorie. Bewundernswert, mit welcher Gelassenheit er sein Amt als Berliner Staatsopernintendant ausfüllt, als Nummer 2 hinter seinem allmächtigen Musikchef Daniel Barenboim. Was seine Nachfolge betrifft, will Flimm nun sogar ein einmaliges Modell praktizieren: Über zwei Jahre wird er mit dem vom Salzburger Mozarteum kommenden Matthias Schulz Büro an Büro arbeiten und ihm dabei allmählich alle seine Kompetenzen übertragen.
Mit wissendem Lächeln inszeniert Flimm nun auch die Ränkespiele des «Figaro». Obwohl die britische TV-Serie «Downton Abbey» gerade unter Beweis stellt, wie spannend Upstairs-Downstairs-Geschichten auch für heutige Zuschauer sein können, interessiert Flimm der Klassenkampf-Aspekt des Stücks wenig (das hat er mit Stefan Herheim in Hamburg gemein – siehe S. 6). Lieber erzählt er die Geschichte aus moderner Perspektive: Seine Figuren begegnen sich auf Augenhöhe, bei der Jagd nach Triebbefriedigung hat hier jeder dieselben Ausgangsbedingungen. Bühnenbildnerin Magdalena Gut hat ein elegantes, in die Jahre ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Frederik Hanssen
Bestimmt haben Sie sich auch schon mal im Fernsehen das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker angesehen (oder wenigstens kurz zugeschaltet). Ziemlich süß und schwer verdaulich, diese Walzer-Programme, besonders nach einer durchfeierten Nacht. Hat natürlich was, so eine Tradition. Obwohl, inzwischen ist das wohl vor allem ein Exportartikel. Wer da im Takt der...
Armer Shakespeare! Wie haben sie ihn misshandelt!», nörgelte Giuseppe Verdi, nachdem er die Partitur zu Ambroise Thomas’ «Hamlet» durchgesehen hatte. Freilich meinte er damit vor allem das Libretto. Er hatte eigentlich ja selbst vor, einen «Hamlet» zu komponieren. Oder «Romeo und Julia». Oder den «Sturm». Oder aber, und vor allem, sein Lieblingsschauspiel «Lear»....
Die zweite von Stéphan Lissner eingefädelte Premiere an der Opéra national bot dem Pariser Publikum ein doppeltes Wiedersehen. Krzysztof Warlikowski hatte unter Gerard Mortier die Regiepalette des Hauses bereits um einige Arbeiten bereichert. Während der von Mortiers Nachfolger Nicolas Joël geprägten Jahre der Restauration war er erwartungsgemäß nicht mehr zum Zug...
