Auf der Schwelle zur Großen Oper
Schon seit Jahren ist das Interesse an Giacomo Meyerbeers frühen Opern in stetem Wachsen begriffen. Wiederaufführungen von «Semiramide», «Margherita d’Anjou», «Il crociato in Egitto» sowie der szenischen Kantate «Gli amori di Teolinda» auf der Bühne, im Konzertsaal und im Tonstudio gerieten immer wieder zu beeindruckenden Erlebnissen und beglückenden Erfahrungen, die überraschende musikgeschichtliche Perspektiven eröffneten.
Man konnte erkennen, dass es sich bei diesen Werken um Kunstleistungen von hoher Originalität und eigenständigem historischen Rang handelt, deren Bedeutung sich nicht in ihrer «Vorreiterrolle» erschöpft, sondern die für sich selbst bestehen können. Meyerbeers kompositorisches Genie zeigt sich hier zwar noch in statu nascendi, aber doch schon in seinem unverwechselbaren persönlichen Profil.
Kürzlich ergab sich im Abstand weniger Wochen gleich zweimal die Gelegenheit, eine derartige Erfahrung zu machen: Die Herbstlichen Musiktage Bad Urach brachten am 10. Oktober 2010 «Alimelek oder Wirt und Gast» (gekoppelt mit Webers «Abu Hassan») heraus; im Wiener Konzerthaus spielte man am 7. November 2010 «Emma di Resburgo». Beide Aufführungen waren konzertant (im Falle ...
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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Sieghart Döhring
Wie alle französischen Barockopern ist auch Lullys 1683 uraufgeführter «Phaëton» mit politischen Botschaften beladen, die heute nicht mehr greifen. Regisseur Christopher Alden hat sich überzeugend aus der Affäre gezogen, indem er die Allegorie um den Antihelden Phaëton kurzentschlossen zum postmodernen Lehrstück über die drohende Globalkatastrophe umfunktioniert....
Berlin, 1986. In der Theatermanufaktur zeigt die Berliner Kammeroper «Elegie für junge Liebende». Ich betrete den Raum und bin sofort fasziniert: der offene Raum ungewöhnlich genutzt, rechts ein hervorragend spielendes Orchester unter der Leitung von Brynmor Jones, links auf einer Empore Regine Schudel als Hilde Mack, vor einem riesigen Alpenveilchen, das immer...
Die Republik fördert die Entwicklung der Kultur und die wissenschaftliche und technische Forschung. Sie schützt die Landschaft und das historische und künstlerische Erbe der Nation.» Den Artikel 9 der italienischen Verfassung in einem Opernhaus vorzulesen, ist nicht üblich. Daniel Barenboim tat es, «tief besorgt», bevor er den Taktstock zur neuen «Walküre» hob....
