Auf den Zahn gefühlt
Die Lösung scheint so naheliegend wie einleuchtend: «Was ist, wenn wir einfach den Zahn wieder in das Loch stecken?» Bis dahin hätte alles nur ein Slapstick-Scherz sein können: Ein kleiner Chinese, von Zahnschmerzen heimgesucht, erhält Hilfe von seinen Küchenkollegen im Asia-Restaurant «Der goldene Drache», die dem Geplagten in gutgemeinter Absicht Linderung verschaffen wollen. Doch sie rücken ihm mit einer Rohrzange zu Leibe, und so verblutet der Patient an der offenen Wunde.
Er stirbt fernab der Heimat in einem Land, das er illegal betreten hat, ohne die verschollene Schwester, die ihm vorausgegangen war, jemals getroffen zu haben.
Peter Eötvös’ «Der goldene Drache», nach dem gleichnamigen Theaterstück von Roland Schimmelpfennig, ist nur zu Beginn eine Alltagsgroteske mit derbkomischen Versatzstücken. Denn das 2014 in Frankfurt uraufgeführte, nun auf der Studiobühne der Semperoper präsentierte «Musiktheater» (so die Gattungsbezeichnung des Komponisten), greift nicht nur das daueraktuelle Thema illegale Migration auf. Zur Haupthandlung, die das Treiben in den beengten Küchenräumen mit den Plaudereien und Problemen der Restaurantgäste, darunter zwei Stewardessen, kontrastiert, ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Werner Kopfmüller
So viel Andrang gab es nie: 126 Teams mit 326 Teilnehmenden hatten auf die Ausschreibung des neunten Musiktheaterwettbewerbs «Ring Award» reagiert und Ideen für eine Neuproduktion von Mozarts «Don Giovanni» eingereicht. Eine 17-köpfige Experten-Jury aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Schweden, Norwegen, Österreich, der Schweiz und Tschechien ermittelte im...
Die erste Szene erinnert an Johann Heinrich Füsslis Gemälde «Der Nachtmahr», ein Sinnbild schwarzer Romantik. Allerdings hockt kein Dämon auf der Brust der Schlafenden, stattdessen wacht ein Mann neben dem Bett. Es ist der Bruder, der Lucia in Marcos Darbyshires Inszenierung beaufsichtigt. In den Händen hält er ein weißes Kissen, und er hält es so, als könnte er...
Dass die Archive der BBC noch viele vergessene Schätze bergen, erweist sich ein weiteres Mal mit der Veröffentlichung von Aufnahmen der Weber’schen «Euryanthe» (1955) und Mozarts «Le nozze di Figaro» (1961). Die Aufzeichnung von Carl Maria von Webers romantischer Oper – der Musik wegen heiß geliebt, des abstrusen Librettos wegen kaum auf der Bühne zu erleben – war...
