Auf dem Kreuzweg
Zum Auftakt der Spielzeit gab Mannheims neue Intendantin Regula Gerber ihre Visitenkarte ab. Man eröffnete mit einer Neuinszenierung von Verdis «La forza del destino» (siehe Seite 6 dieser Ausgabe). Zwei Tage später die andere Seite der Karte: ein Abend mit Werken Luciano Berios.
Man sitzt im Schauspielhaus. Schwarze ansteigende Bühnenrampe. Über Bühne und Zuschauer eine Leiter, die Sprossen aus Neonröhren. Das Licht geht aus. Aber still ist es nicht: Der Chor sitzt im Publikum und mischt sich ein. Berio hat «Passaggio» eine seltsame Gattungsbezeichnung gegeben.
«Messa in scena» bedeutet einerseits Inszenierung. Was dabei inszeniert wird, ist das Phänomen der Oper als solches: Wie verhalten sich Zuschauer, wenn sie in die Oper gehen? Zum anderen heißt «Messa in scena» szenische Messe: Man wohnte auch einem fast kirchlichen Ritual bei, bei dem ein Individuum geopfert wird.
Thema des Stückes sind Masse und Macht. Das Personal der Oper ist auf eine Frau zusammengeschrumpft. Ihr steht die Masse des Publikums gegenüber. Aggressiv brüllt der Chor in den Zuschauerreihen auf sie ein. Die Frau erlebt eine Art Kreuzweg in sechs Stationen, während der sie sich immer mehr der Masse ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Für die fiktive Begegnung zwischen Giuseppe Verdi und Sylvia Plath hatte Hans Neuenfels sich der Musik von Adriana Hölszky bedient. Für die RuhrTriennale (die Produktion ist im Januar auch an der Komischen Oper Berlin zu sehen) hat er sich wieder einen Treff historischer Kulturgrößen ausgedacht, und da es sich diesmal um zwei Komponisten handelt – Schubert und...
Wieder, wie schon bei seiner letztjährigen Bremer «Turandot», vertraut Peer Boysen auf die Ausdruckskraft seiner exzentrischen Kostümentwürfe, wieder führt er die Personen mehr stilisiert als realistisch und erzielt damit bei Janáceks «Katja Kabanova» womöglich noch stärkere Wirkungen. Die Kabanicha, unfreiwillige Drahtzieherin des tragischen Geschehens, erscheint...
Die griechische Literatur kennt Elektra, Medea, Klytemnästra und manch andere mythologische Schreckensfrauen. Frank Wedekinds Femme fatale Lulu, das «wilde schöne Tier», die «Alleszerstörerin» übertrifft sie indes alle. Lulu gebraucht und vernichtet die Männer wie jene in ihr nur das Weib gebrauchen, bis sie es zerstören. Nicht verwunderlich, dass die Gestalt der...
