Apropos... Liederliebe
Herr Hasselhorn, mussten Sie bei der Aufnahme Ihrer «Dichterlieben» manchmal aufpassen, in welcher Vertonung Sie sich gerade befinden?
Man muss sich als Sänger bewusst machen, dass zwei verschiedene Vertonungen desselben Textes in ganz verschiedene Ausdrucksbereiche vorstoßen können. Zum Beispiel fordern dieselben Wörter manchmal andere Färbungen. Aber auch der Pianist und der Tonmeister müssen sich umstellen.
Es wird oft behauptet, Heines Gedichte verhielten sich ironisch zur Liebe, Schumanns Vertonung dagegen nicht.
Wie sehen Sie das?
Sänger werden in der Tat in Rezensionen auffallend häufig dafür kritisiert, dass sie die Ironie nicht vermittelt hätten. Schumanns Zyklus ist aber auch für mich ein sehr ehrlicher, in dem es um einen jungen, naiven Menschen geht. In anderen Liedern wie «Die beiden Grenadiere» oder «Der arme Peter» hat Schumann viel mehr Ironie von Heine in die Musik übernommen.
Gibt es für Sie diese naive Liebe in der Gegenwart noch?
Ich glaube schon, obwohl in Zeiten der Technisierung und Globalisierung auch die Liebe schnelllebiger geworden ist. Es gibt noch immer Lieben, die im Selbstmord enden. Aber insgesamt herrscht doch mehr ein «heute hier, morgen da», ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Michael Stallknecht
Das Unheil kündigt sich mit leisen, beinahe zarten Klängen an. Kaum merklich schickt die Tuba dunkle Töne aus der Tiefe des groß besetzten Orchesters. Es stimmt etwas nicht mit diesem Fluss, der da erhaben, in bühnenbreiten Video-Bildern (Arian Andiel) strömt. Bald schieben sich Bläser bedrohlich vor, knistern Dissonanzen, und aus dem Off dringen die Geräusche...
Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit. Videoprojektionen sind heutzutage aus den Opernhäusern nicht mehr wegzudenken. Mal bringen sie künstlerischen Mehrwert durch konstrastierende Brechungen des Bühnengeschehens. Mal verdoppeln sie nur das, was man sowieso auf der Bühne sieht. Doch immer standen sie in irgendeinem Verhältnis zur Bewegung realer...
Die Texte aus Heines «Lyrischem Intermezzo» haben nicht nur Robert Schumann zu außerordentlichen Liedkompositionen inspiriert. Das gilt nicht zuletzt für die 16 Nummern seines berühmtesten Zyklus, der «Dichterliebe». Und einzelne Alternativfassungen weckten durchaus das Interesse hochmögender Interpreten: So nahm Dietrich Fischer-Dieskau (mit Michael Ponti am...
