Alterswerk, hochgestimmt
Zur Premiere von «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe» in Salzburg 2003 hatte der 77-jährige Henze verlauten lassen, dass er keine weitere Oper schreiben werde; vier Jahre später fand die Uraufführung seiner neuen abendfüllenden Oper «Phaedra» in Berlin statt.1 Ist es nicht erfreulich, dass auf jene frühere Aussage des Komponisten kein Verlass war? Mit «Phaedra» – Henzes (bisher2) jüngstem Alterswerk – liegt nun ein Fünf-Personen-Drama vor, dessen Physiognomie das empirische Alter seines Schöpfers vergessen lässt.
Es ist ein Stück von überraschender Vitalität und voller ungewöhnlicher dramatischer Konstellationen und Konflikte geworden.
Von den Merkmalen, die mit Alterswerken großer Künstler gemeinhin und zu Recht verbunden werden, trifft kaum eines auf «Phaedra» zu. Tod und Vergänglichkeit als Themen, die Henze z. B. in «Neun geistlichen Konzerten» unter dem Titel «Requiem 1993» umsetzte, sucht man in «Phaedra» vergebens. In dieser Oper bestimmen sexuelles Begehren, Lüge, Mord und Selbstmord Handlung und Ausdruck der Musik.
Auch die Neigung zu Vermächtnis und Bilanz, die ebenfalls für Alterswerke typisch ist und sich z. B. an der erwähnten «L’Upupa», einem durch und durch ...
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Walter Braunfels (1882-1954) gehörte – neben Richard Strauss und Franz Schreker – zu den erfolgreichsten Komponisten der Weimarer Republik. Seine Aristophanes-Oper «Die Vögel», 1920 von Bruno Walter in München uraufgeführt, stand in den folgenden Jahren u. a. in Berlin, Stuttgart, Hamburg und Wien auf dem Spielplan. Im NS-Staat wurde Braunfels als «Halbjude» sofort...
Kategoriale Kürze
Anmerkungen zu Henzes Spätwerk
Das Spätwerk eines tatsächlich betagten Komponisten ist in der Musikgeschichte eher selten anzutreffen – erinnert werden kann hier an Schütz und Telemann, Bruckner und Strauss, und in diesem Jahr auch an den hundertjährigen Elliott Carter (immer noch in großer Produktivität tätig). Unbedingt ist in dieser Reihe auch...
«... und wir Männer ersehen aus diesem Stücke, wie wir durch die Weiber, im günstigsten Falle, zu Grunde gehn.» Mit diesem ironisch-zynischen Resümee beschließt Heinrich Heine in den «Memoiren des Herrn von Schnabelewopski» die Geschichte vom Fliegenden Holländer, die Wagner zu seiner gleichnamigen «Romantischen Oper» inspirierte. Heines wahrlich witziges Paradoxon...
