Alter Meister
Die Unterwelt des Bewusstseins, ihr rätselhaft Abgründiges und Monströses, hat Harrison Birtwistle schon immer fasziniert. Zumal in den Bühnenwerken findet die Vorliebe des 73-jährigen Doyens der britischen Komponistenszene beredten Ausdruck. Gleich der (vor vier Jahrzehnten in Aldeburgh uraufgeführte) Erstling steckte ein Terrain ab, das auf der Nachtseite der Vernunft liegt: «Punch and Judy».
Ein Einakter, der kühn auf der Grenze zwischen schmerzender Tragik und schriller Komik laviert, mit jener populären Puppenspielfigur im Mittelpunkt, die – halb Kasperle, halb Killer – vor allem in fliegenden Theaterbuden an Britanniens Seepromenaden ihr schaurig unterhaltsames Unwesen treibt. In «The Second Mrs. Kong» (1994) griff Birtwistle einen klassischen Topos der Kino-Folklore auf: das Drama vom Affen-Toren, der sich in eine Menschenfrau verliebt. Die Legende von Orpheus und Eurydike, von Beginn an ein zentrales Motiv der Operngeschichte, zieht sich gar wie ein roter Faden durchs weitläufige Œuvre. «The Mask of Orpheus» (1986) dekonstruierte den antiken Plot, um Bedingungen und Potenzial eines ästhetisch avancierten Musiktheaters auf der Höhe unserer Zeit zu erproben. «Gawain» (1991), ...
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