Alles eine Frage des Maßes
Unser Georg. Unser Theater. Unsere Hofkapelle. Die Wolken hängen tief über Meiningen, die Luft ist feucht, Nieselregen, Graupelschauer. Auf dem Markt wummert Volksmusik, es riecht nach Glühwein und frisch geschlagenen Tannen. In der Ratsstube ist die Küche bereits «aus», aber hinter den Christbäumen gibt’s noch was, beim Italiener im «La voglia». Die Zahl der Gäste bleibt dort so überschaubar wie im Salon des Ernestiner Hofs, wo ein Klavierspieler für ein paar bei Kaffee und Kuchen plaudernde Senioren «Bridge Over Troubled Water» klimpert.
Gleich um die Ecke steht die Elisabethenburg, bis 1920 Residenz der Herzöge von Sachsen-Meiningen, heute Museum. Alles dicht, alles dunkel. Nur die «Zauberwelt der Kulisse» hat noch auf an diesem Sonntagnachmittag im Dezember, drüben in der ehemaligen Reithalle. Sechs Besucher kann der freundliche Herr vom Theatermuseum zur letzten Vorführung des vielteiligen historischen Prospekts begrüßen, den die Bühnenmaler Brückner aus Coburg 1876 für eine Inszenierung des Kleist’schen «Käthchen von Heilbronn» lieferten. Die Entwürfe stammten von Georg II., dem theatersüchtigen Regenten. Unser Georg hat das Regietheater erfunden, sagt der Mann vom Museum. ...
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Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Albrecht Thiemann
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