Akkordarbeit
Als Wagner die innere und äußere Dimension des Tristan-Projekts zu spüren begann, bekam er Angst: Den Text könne doch Geibel schreiben und Liszt ihn vertonen, ließ er verlauten, er jedenfalls stünde dafür nicht zur Verfügung. Das klang nach Notwehr. Je mehr die Sache in ihm wuchs, desto radikaler spielte er sie herunter – auch vor sich selbst. Ein «durchaus praktikable(s) Opus» wollte er schreiben und innerhalb eines Jahres fertig haben. Offenbar glaubte er das wirklich. Jedenfalls ließ er den Druck parallel zur Komposition herstellen.
Das bedeutete, dass er sich dazu verpflichtete, kontinuierlich Manuskriptseiten abzuliefern, die dann beim Verlag Breitkopf & Härtel sofort lektoriert und für den Stich eingerichtet wurden. Wagner schickte die fertig gewordenen Teile mit einfacher Post nach Leipzig. Von Sicherheitsmaßnahmen ist nichts bekannt. Das heißt auch: Er hatte beim Schreiben nie größere Abschnitte des Werkes vor sich; außerdem konnte er rückwirkend keine Korrekturen vornehmen. Vielleicht war der enorme Produktionsdruck aber auch gewollt. Vielleicht wäre Wagner sonst doch vor der Strapaze geflohen.
Das so entstandene Autograph hat eine bewegte Geschichte. Es ging aktweise an ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Mösch
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Ich freue mich, dass ich zu Hause in aller Ruhe meinen Lebensabend verbringen kann. Manchmal sind Besuche von der Bayerischen Staatsoper eine herzerfrischende Unterbrechung. Ich hatte in München die Möglichkeit, mit Strauss und Wagner und Mozart der Oper eine Richtung zu geben, von der...
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