Affentheater, dekonstruktiv und kathartisch
Sie meinen es wirklich ernst in Halle mit dem Versuch, sowohl dem Publikum als auch den Künstlern die Wahrnehmungs- und Erfahrungsgewohnheiten der Oper radikal zu öffnen. Nach «Heterotopia» in der Spielzeit 2016/17 hat Sebastian Hannak erneut eine Raumbühne ins gediegen-prächtige Opernhaus gewuchtet, die die Grenzen von Zuschauerraum und Bühne aufhebt. «Babylon» heißt der zweite Versuch – eine metallene Konstruktion, die rauer, provisorischer wirkt als ihre leicht aseptische Vorgängerin und Orchester wie Besucher noch konsequenter in den Erlebnisort einbezieht.
In der dritten Aufführung von Verdis «Messa da Requiem» gibt es selbst unter langjährigen Abonnenten kein Murren, wenn gleich zu Beginn Personal in weißen Schutzanzügen in eine Kammer bittet und dort Affenkostüme verteilt. Noch während das Orchester auf seinen Einsatz wartet, tobt auf der Raumbühne bereits laut- und sprungstark eine ebenso verkleidete Horde aus Choristen und Statisten herum. Und sobald der Chor raunend das «Requiem aeternam» anstimmt, sieht man sich vom Klang regelrecht umzingelt.
Intendant Florian Lutz inszeniert Verdis Totenmesse als postapokalyptische Zukunftsvision: Nach einer nicht näher bezeichneten ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Regine Müller
Chapeau! «81 [runs] not out» ist eine stolze Zahl für einen Batsman, noch dazu für einen Amateur, und dies im legendären Londoner Cricket-Stadion «The Oval». Das ist, als hätte jemand beim Fußball in Wembley einen Hattrick erzielt. Britten-Biograf Humphrey Carpenter erwähnt diese Anekdote, um Peter Pears’ Skrupel zu beschreiben, dem diese sportliche Tat angeblich...
Im Vergleich zur Wiederentdeckungswelle der 1980er-Jahre ist es um Franz Schreker deutlich ruhiger geworden – in Zürich wurde zu diesem Komponisten freilich noch einmal ein starkes Wort gesprochen. Zur Saisoneröffnung brachte das dortige Opernhaus «Die Gezeichneten» heraus – und das in einer Produktion, die mit ihren scharfen Kanten neue Deutungswege erkennen...
Es ist kaum zu glauben, aber unverrückbare Tatsache: Vor 82 Jahren stand Meyerbeers Meisterwerk «Les Huguenots» zum letzten Mal auf dem Spielplan der Pariser Oper. Dabei zählte das Werk, Inbegriff der Grand opéra, mit 1118 Vorstellungen seit der Uraufführung (1836) zu den meistgespielten Opern nach Gounods «Faust». Nach 1936 gab es nur sehr spärliche Versuche, den...
