Accento verdiano: Verdi singen
Frau Kammersängerin, in Ihren Memoiren...
Ludwig: ... hab ich nichts über Verdi geschrieben, oder?
Doch, doch: Es gibt eineinhalb Seiten über ihn. Sie schreiben, dass Sie die Lady Macbeth mit Zinka Milanov gelernt haben. Da würde ich gern wissen: Was genau haben Sie von ihr gelernt?
Ludwig: Na ja, ich hab die Lady zugesagt, weil ich den Ruf hatte, immer Partien abzulehnen. Erst danach schaute ich in die Noten und stellte fest, dass das gar nicht meine Lage ist (lacht mit jugendlich heller Stimme).
Dann habe ich mir zwei Aufnahmen von «Macbeth» gekauft: eine mit der Callas und eine mit der Rysanek. Von der Leonie konnte ich nicht viel lernen, die sang das mit ihrer Riesenstimme, die natürlich eine reine Sopranstimme war. Die Callas sang das schmaler und technisch so, dass ich was lernen konnte. Dann bin ich in New York zu Zinka Milanov gegangen, die eine von mir heiß geliebte Verdi-Sängerin war. Und mit ihr habe ich die Lady gelernt – eine Lady aus dem Geist des Belcanto.
Was heißt das?
Ludwig: Das heißt, dass ich schön gesungen habe, nicht zu sehr dramatisiert. Mit hässlicher Stimme hätte ich es ohnehin nicht singen können. Ich musste es singen. (Pause) Übrigens habe ich die Lady ...
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Opernwelt Jahrbuch 2012
Rubrik: Giuseppe Verdi, Seite 52
von Stephan Mösch
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