Absolut stilsicher
Die Vermessung des Opernkontinents Jean-Baptiste Lully ist abgeschlossen: 24 Jahre nach William Christies bahnbrechender Einspielung des «Atys» liegen mit Christophe Roussets Aufnahme des «Bellérophon» nun endlich alle 13 Tragédies lyriques auf CD oder DVD vor, die der Surintendant de la musique ab 1673 für den Hof des Sonnenkönigs schuf.
Dass «Bellérophon» am längsten warten musste, dürfte vor allem am Namen des Librettisten liegen: Die 1679 uraufgeführte Heldenoper ist eines der beiden Werke (neben der – ebenfalls erst 2007 aufgenommenen – «Psyché»), die Lully nicht zusammen mit seinem Wunschpartner Philippe Quinault schuf: Weil der Dichter kurzzeitig in Ungnade gefallen war, musste Lully auf Thomas Corneille ausweichen. Mit einem Ergebnis, das zwar beim König und den Zeitgenossen gut ankam, aber nicht die Subtilität und dramatische Anschaulichkeit der Charakterzeichnung besitzt, die Lully und Quinault im Laufe ihrer Zusammenarbeit perfektionierten.
«Bellérophon» ist eine Huldigungsoper, die den Helden – und damit den implizit gemeinten König Louis XIV. – in ungetrübtem Licht strahlen lässt. Von zwei Frauen gleichermaßen angehimmelt, besiegt der furchtlose Griechenprinz ein ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Medien/CD, Seite 28
von Jörg Königsdorf
Anfang Dezember hat Donald Runnicles an der Deutschen Oper, deren glücklosem Orchester er als GMD wieder Halt und Ausstrahlung verschaffen soll, Berlioz’ monumentale «Trojaner» dirigiert. Was damals aus dem Graben drang, erinnerte eher an Wagners Mischklang als an die Kontrastwirkungen, die seinem französischen Zeitgenossen vorschwebten. Runnicles schien...
Es ist eine Aura um sie. Wann immer man ihr begegnet – etwa beim alljährlichen Sängertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in Ölbronn, das sie regelmäßig besucht –, ist man gefesselt von dem Charme, von der Vitalität, die sie ausstrahlt. Kaum zu glauben: Inge Borkh, eine der legendären Gesangstragödinnen des vorigen Jahrhunderts, wird am 26. Mai 90 Jahre alt.
Früh...
Ein Anfang vor dem Anfang. Noch ehe der Dirigent den Taktstock hebt, hat Richard Wagners «Parsifal» in Basel bereits begonnen. Ein farbiger älterer Herr bahnt sich den Weg vors Parkett, blickt ernst ins Publikum, nimmt an dem Tischchen links vorn vorm Graben Platz, stützt den Kopf in die Hand, sinnt. Auf dem Tisch eine Lampe, eine Partitur und ein Foto von...
