À la Lubitsch
Herr Wieler, Herr Morabito, wie kamen Sie eigentlich zu dieser Jugendoper Mozarts?
Wieler: Ich kannte das Stück noch nicht, als ich für die Amsterdamer Produktion eingeladen wurde, obwohl wir in Stuttgart den «Titus» schon inszeniert hatten. Damals hatte ich noch etwas Angst vor dem Operngenre. Ich dachte lange, dass ich nie eine Oper inszenieren könne, aber allmählich entdeckte ich die Freiheit, die diese Kunstform bietet.
Morabito: «Lucio Silla» war eine alte Liebe von mir. Die Opere serie von Mozart sind immer unterschätzt worden. Wenn man aber die Zeit des 17. und 18.
Jahrhunderts betrachtet und die Stücke von Corneille und Racine liest, realisiert man, dass die frühen Mozart-Opern autonome Kunstwerke sind. Man spricht immer wieder über die späteren Werke, aber auch ohne diese wäre «Lucio Silla» interessant. Der Librettist Giovanni de Gamerra war ein Autor von larmoyanten Komödien, die den Klassizismus seiner Zeit schon untergraben. Er steht völlig in der bürgerlichen Tradition der Aufklärung.
Wieler: Auch «Lucio Silla» hat etwas Komisches, etwas Tragikomisches. Das wollen wir herausarbeiten. Wir wollen das Werk aber nicht veralbern, wie man es oft bei Barockopern sieht. Es ist ...
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