Warum?
Vielleicht hat die Arie der Rezeption fast geschadet: Die Auskopplung von «Rachel, quand du Seigneur», die Beförderung zu einem der Opernhits des 19. Jahrhunderts, raubte der Figur des Eléazar im allgemeinen Bewusstsein entscheidende Facetten. Ein Verzweifelter? Ein grundlos Ausgestoßener, der am Rand von Fassung und Leben seinen Gott um letzte Hilfe anfleht? Die eigentliche Hauptperson von «La Juive» ist aber auch: ein von Hass Zerfressener, ein Zerrissener, den religiöser Wahn und falsch verstandene Gebote in Abgründe getrieben haben.
Eine der widersprüchlichsten Tenorrollen tut sich da folglich auf. Doch das lässt sich an diesem Abend nur in Ansätzen (wenn überhaupt) erahnen.
In der Münchner Opernfestspiel-Premiere von Fromental Halévys Drama sieht Roberto Alagna über fast zwei Drittel der Distanz so aus wie Dustin Hoffman in «Tod eines Handlungsreisenden». Ledertasche, graues zurückgekämmtes Haar, eine verkniffene Existenz, die plötzlich, wenn der Schlager des vierten Akts anbricht, schluchzendes Pathos auspacken darf. Letzteres geht wohl aufs Konto von Alagna, der Rest auf das eines Regisseurs, bei dem nicht klar wird, warum er den Auftrag angenommen hat. Über die Rolle des ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Markus Thiel
Endlich. Endlich hat sich jemand getraut, den Guru vom Sirius zurück auf die Erde zu holen. Ein halbes Menschenalter ist verstrichen, seit zum ersten Mal ein «Licht» aus Karlheinz Stockhausens monumentalem Erleuchtungswerk aufging, das den sieben Tagen der Schöpfung gewidmet ist. In Mailand war das, 1981 an der Scala. Der junge Peter Eötvös stand damals im Graben,...
Ronald Harwoods «Quartetto», benannt nach Verdis «Rigoletto»-Quartett aus dem dritten Akt («Un dì, se ben rammentomi»), wurde bereits 1999 in London uraufgeführt. Doch erst die Verfilmung durch Dustin Hoffman (2012 mit Maggie Smith) ließ auch deutsche Sprechbühnen zugreifen und den Mut fassen, die Casa Verdi-Variante aufs Programm zu setzen. Es geht um vier alte...
Encore
Der katalanische Tenor hatte sich eigentlich schon 2009 verabschiedet. Doch mit fast 70 kehrte José Carreras kürzlich noch einmal auf die Bühne zurück (für Kolonovits’ «El Juez»). Bilanz eines großen Sängerlebens
Auf Nebenpfaden
Anna Prohaska ist von der Deutschen Grammophon zum kleinen Label Alpha Classics gegangen (siehe Seite 22). Ein Gespräch über den...
