Hinter Milchglas
Es sei ein Irrtum zu glauben, die entscheidenden Momente eines Lebens müssten von lauter und greller Dramatik sein, unterspült von heftigen inneren Aufwallungen. In Wahrheit sei die Dramatik einer lebensbestimmenden Erfahrung von leiserer, retardierender Art, dem Knall, der Stichflamme und dem Vulkanausbruch entgegengesetzt.
Solches formuliert sinngemäß der «Goldschmied der Worte» Amadeu de Prado in Pascal Merciers «Nachtzug nach Lissabon», und es scheint, als hätten Laurent Pelly, Regisseur der Neuproduktion von Donizettis «Lucia di Lammermoor» an der Wiener Staatsoper, und auch Dirigent Evelino Pidò ihrer Titelheldin Olga Peretyatko dies als psychisches Kostüm übergezogen.
Denn diese Lucia zeigt alle Symptome autistischer Erkrankungen, deren Entstehung zunächst ja oft unbemerkt bleibt. Von Anfang an gibt sie sich inwendig verhuscht, verängstigt, mit eckig zuckenden Bewegungen, in einer kalt-nebeligen Winterwelt, wie Chantal Thomas’ Bühnenbild diese zeichenhaft darstellt. Schon seit je scheint das Mädchen sein Leben in die Wolken geworfen zu haben. Lucia träumt sich weg aus der Realität, doch die Träume sind nicht schön, sondern von der Art der Nachtmahre, wie sie uns in den ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Gerhard Persché
Im vergangenen Jahr war bei den Salzburger Festspielen Gottfried von Einems Oper «Der Prozess» wiederzuhören, ein textlastiges Stück, bei dem die Gesangsstimmen als Dauerrezitativ im Korsett eines symphonisch geführten Orchesters hängen. Wenn nun auf der anderen Salzachseite im Landestheater die englischsprachige Version desselben Stoffs in der Vertonung von...
Herr Katzameier, Sie werden weltweit als Sciarrino-Spezialist geschätzt, an der Berliner Staatsoper haben Sie gerade an zwei Uraufführungen mitgewirkt, bei den Salzburger Osterfestspielen 2019 kommt «Thérèse» heraus, ein Werk von Philipp Maintz, bei dem Sie nicht nur die männliche Hauptrolle singen, sondern zu dem Sie auch das Libretto geschrieben haben. Wann sind...
Die Würfel sind gefallen: In einer nichtöffentlichen Sitzung hat der Aufsichtsrat des Theaters Halle gegen eine Verlängerung des Vertrags mit Opernintendant Florian Lutz votiert. Damit wird Lutz, der seit 2016 die künstlerische Verantwortung für die Oper Halle trägt, das Haus spätestens 2021 verlassen. Der öffentlich ausgetragene Machtkampf zwischen Opernleitung...
