Mentalitätsstudie
In diesem Muff käme wohl jeder auf die Idee, erst einmal die Fenster öffnen zu wollen. Düster gemusterte Tapeten im Fünfziger-Jahre-Stil, ein klobiges Ehebett, dicke Vorhänge, schwache Wandlämpchen. Doch durch diese Kammer frischen Wind fegen zu lassen, ist keineswegs einfach, denn der Hausherr heißt Blaubart und weigert sich lange, den Wünschen Judiths nachzukommen.
Die Kölner Neuinszenierung von Béla Bartóks Einakter überzeugt, einiger unglücklicher Ideen zum Trotz. Blaubart, die Märchenfigur, tritt in düsterer Heinrich VIII.-Montur auf.
Ein Baum von einem Kerl, der auch so singt. Johannes Martin Kränzle, nach seinem Beckmesser-Porträt bereits im zweiten Kölner Premieren-einsatz der laufenden Spielzeit, bewältigt die Rolle glänzend, stimmlich wie darstellerisch: als rohe Autorität und als zart Liebender. Wie er sein «Das ist mein Reich» triumphal in den Saal schleudert, wie er verzweifelt fragt: «Warum willst du die Türen öffnen?», das hat Größe, das hat Aussagekraft. Kränzles kraftvolle Stimme findet stets die Balance von plastischer Diktion und eloquenter Kantilene, was zur Partie des verwundbaren Grobians wunderbar passt. Er hat eine Fähigkeit, allem Dämonischen Nachdruck zu ...
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Flüchten und ankommen. In dieser Spannung ist wohl auch der «Olympier» Richard Strauss zu sehen, dessen – von seinen literarischen Mitarbeitern wie Hugo von Hofmannsthal oder Joseph Gregor heftig geförderte – Griechenland-Manie vielfältig motiviert gewesen sein muss. Als Jugenderlebnis ausschlaggebend sicherlich Nietzsches flammende Altphilologie, dabei aber auch...
Die Opéra Comique gehört heute wieder zu den aktiven Pariser Opernhäusern. Die Direktion sieht es als primäre Aufgabe des Hauses an, «das französische Repertoire zu pflegen». Der Verständlichkeit des Textes komme dabei, wie stets in der französischen Operntradition, eine große Rolle zu. Konkret heißt das: Auf der Bühne der Salle Favart uraufgeführte Werke wie...
«Questo è il fin di qui fà mal», so ende, wer Böses tue, singen die sechs Übriggebliebenen am Schluss von Mozarts «Don Giovanni» (Prager Version). Im Publikum der Uraufführung im Nationaltheater zu Prag am 29. Oktober 1787 saß einer, der das vermeintlich Üble solchen Tuns kaum nachvollziehen konnte: Giacomo Girolamo Casanova, Chevalier de Seingalt, zu dieser Zeit...
