Unterm Brennglas
Der Haarwasserfabrikant, der notorische Feuerteufel naiv bewirtet, während sie auf dem Dachboden seines Hauses bereits Benzinfässer stapeln: Max Frisch hatte sein Schauspiel «Biedermann und die Brandstifter» vor ein paar Jahrzehnten auf die Machtübernahme – den sogenannten Februarputsch – der Kommunisten 1948 in der Tschechoslowakei gemünzt. Doch aktuell ist der Stoff allemal, weil so menschlich im Sinne von Mephistos Feststellung «...den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte».
Brandstifter sind allgegenwärtig und zündeln an der Welt herum, ob als Politiker oder Zocker im Banken- und Wirtschaftsbereich. In solchem Zusammenhang hat Simon Vosecek, der Wiener Komponist mit tschechischen Wurzeln, aus Frischs Stück eine durchaus aktuelle Farce fürs Musiktheater geschrieben, die von der Neuen Oper Wien im September im Wiener Semperdepot uraufgeführt wurde. Deren Leiter Walter Kobéra und sein amadeus ensemble exekutierten mit Elan die Partitur, die das letzte halbe Jahrhundert europäischer Musikgeschichte wie im Brennglas konzentriert und dabei das Komische, Bizarre und Drastische zusammenspannt. Béatrice Lachaussée sorgte für eine unterhaltsam-konzentrierte ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Gerhard Persché
Impressum
54. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag - Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752262
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 12.11.2013
Redaktion:
Albrecht Thiemann (V.i.S.d.P.)
Wiebke...
Der 150. Geburtstag Claude Debussys im vergangenen Jahr hat seiner einzigen vollendeten Oper «Pelléas et Mélisande» wieder verstärkte Aufmerksamkeit verschafft. Zum Zeitpunkt der Uraufführung (1902) war sie ein revolutionäres Werk, das sich mit Konsequenz aus den damals in Paris dominierenden Trends des Wagnerisme und eines Realismus à la «Louise» zu befreien...
Wer nur für einen halben Tag nach Madrid reist, bekommt den südeuropäischen Moloch mit seinen sozialen Brennpunkten kaum zu sehen; er kann sich auf einen idyllischen Stadtausschnitt um das Teatro Real beschränken, über die arkadengesäumte Plaza Mayor (hinter der das Gewirr der Altstadtgassen beginnt) und zum einen Steinwurf entfernten Königspalast schlendern (aber...
