Leiden, hoffen, sehnen
Kein «Städtchen Kalinow am Ufer der Wolga», sondern ein unfertiger Hausklotz, von knöcheltiefem Wasser umgeben (aha, der Strom), auf der einen Seite Fensterlöcher, die auf Pleite während des Rohbaus schließen lassen, auf der anderen ein Laboratorium. Weißkittel allenthalben, hier hat die Kabanicha das Sagen. Erdbebenforschung, lesen wir im Programmbuch. Wir dachten: Da werden wesensverändernde Tinkturen erklügelt. Mit einer solchen macht die Titelheldin, statt in den Fluss zu gehen, denn auch ihrem Leben ein Ende.
Und mittendrin praktizieren die beiden (gar nicht so) Alten – ein ultrakurzer Hauch von Komik – in einem Kessel so etwas wie Liebe am Arbeitsplatz. Die Rede ist von Armin Petras’ Inszenierung der «Katja Kabanova», seiner ersten Berührung mit der Oper.
Keine «einsame Mühle im Gebirge», sondern ein weiträumiges Wohnzimmer in neuzeitlichem Design, lindgrüne Tapete, weiße Sitzgruppe, seitlich ein großes Fenster in die Winterkälte, oben das Schlafzimmer der Titelheldin, darüber der Dachboden. Hier residiert keine Armut. Die Buryjas haben Geld, Stewa, ein rechter Turnschuh-Stenz mit Neigung zu den Weibern und zum Trunk, wirft mit Scheinen um sich. Die Rede ist von Dmitri ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Heinz W. Koch
Fast senkt Will Humburg selbst ein wenig die Stimme, wenn er daran erinnert, dass der Titel «La forza del destino» in Verdis Heimat meist hinter vorgehaltener Hand erwähnt wird. Man ist abergläubisch jenseits der Alpen. Und angesichts des pessimistischen, fatalistischen Strudels, in den die Hauptfiguren von Anfang an geraten, ahnt man, warum «l’opera innominabile»,...
Noch zu Zeiten Gioacchino Rossinis aßen die armen Bauern und Handwerker fast nie Fleisch, und an Freitagen und in der vorösterlichen Fastenzeit verbot ihnen die christliche Sittenlehre, das zu essen, was sie ohnehin nicht hatten. Auch fromme Monsignori und weltliche Herren übten sich in strengem Verzicht – zungenschnalzend mit Flusskrebsen, Muscheln, Hummern,...
In der Bundesstadt Bern, deren graugrüne Bürgerhäuser hoch über der Aare gemächliche Zufriedenheit ausstrahlen, hat die erste Spielzeit des neuen Intendanten Stephan Märki begonnen, zugleich die erste der Stiftung «Konzert Theater Bern», zu der Symphonieorchester und Dreispartenhaus gerade zusammengeschlossen worden sind. Joachim Schlömers Inszenierung von...
