Wiedergeburt im Parkhaus
Der Menschenstrom schiebt sich voran, drückt sich durch die Durchfahrt auf das Parkdeck der Deutschen Oper. Flutet wieder auseinander, verteilt sich auf den kargen Holzbänken. Links im Halbdunkel die Rückwand des Verwaltungstrakts, der Bühnenturm, rechts gähnen höhlengleich leere Stellplätze. Vorn das Kulissenmagazin mit den riesigen Stahltoren. Ein breiter Gang, überdacht, von Säulen gefasst, bildet die Bühne; hier sitzt auch das Kammerensemble der Deutschen Oper.
Hinauf führt eine breite Freitreppe, gekrönt von einer schwarzen Skulptur: ein Pyr vielleicht, ein Pinienzapfen, Symbol der Fruchtbarkeit im Dionysos-Kult.
Oben glimmt fahlblau der Abendhimmel; der September zeigt sich gnädig zum Spielzeitauftakt der Deutschen Oper. Drinnen wird noch an der Obermaschinerie gebaut, doch dem Haus ist es gelungen, aus der Not nicht nur das Bestmögliche, sondern etwas richtig Gutes zu machen. Die Open-Air-Kulisse im eigenen Hinterhof erweist sich als ideal für Iannis Xenakis’ «Oresteia» – weil die collagierte Architektur dieses Ortes so gut zu der heterogenen Gestalt des Stücks passt.
Die erste Fassung entstand, als die Bürger der Stadt Ypsilanti im US-Bundesstaat Michigan Anfang der ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Wiebke Roloff
Wenn es Sommer wird, müssen die Bilder weg. Da lächeln in den Foyers des Landestheaters nicht mehr die Ensemblemitglieder von den Wänden, ob aus Oper, Schauspiel oder Ballett. Dann gibt es einen Monat lang andere Fotos zu sehen: aus Antonio Cestis «L’Argia», Francesco Cavallis «Giasone», Antonio Sartorios «Giulio Cesare» oder aus Johann Adolph Hasses «Solimano»....
Die Musik von Bach bis Richard Wagner und Richard Strauss ist Höhe- und Schlusspunkt göttlichen Menschentums, letzte Erfüllung und Enthüllung des Mythos.» Am 25. Februar 1944 wurde dieser erhaben gestimmte Satz zu Papier gebracht – freilich nicht von einem Parteigänger der Blut-und-Boden-Ideologie, der im Angesicht des drohenden Untergangs verzweifelt die Vormacht...
Die Zeitschrift «wagnerspectrum», 2005 von dem Hamburger Politologen Udo Bermbach gegründet und von ihm auch redaktionell betreut, hat in ihrem zehnten Jahrgang den Herausgeberkreis verjüngt und vor allem einen neuen Redakteur: Arne Stollberg (Universität Basel) legt mit Ausgabe 1/2014 sein erstes Heft vor. «Heft» ist die offizielle Bezeichnung des zweimal jährlich...
