Der Tod ist ihr Begleiter
Die Frage mag verwegen sein, vielleicht sogar ein bisschen unverfroren. Aber die Zeit ist danach, sie einmal ganz ohne Zungenschlag zu stellen: Gibt es eine weibliche Sicht auf Verdis Musikdrama «La traviata»? Und ist diese Sicht, so sie existiert, womöglich imstande, eine veränderte Rezeptionshaltung zu implantieren? Die Deutungen von Ellen Lamm in Stockholm und Nicola Raab in Berlin lassen zumindest den Schluss zu, dass an der These etwas dran sein könnte. Denn beide Arbeiten verraten einen wohltuend sensiblen Umgang mit den Leiden der Titelfigur und ihrer Psychologie.
Schon in Lamms Arbeit an der Kungliga Operan Stockholm wird evident, dass ihre Violetta absolut nicht dem Bild der «idealtypischen» Kurtisane entspricht. Ja, sie trägt ein eng anliegendes, silbern glitzerndes Kleid, wenn sie auf der Bildfläche erscheint. Aber sie ist dabei so distanziert, dass sich keiner der Herren an sie herantraut. Noch während der zart musizierten Ouvertüre sehen wir die Unnahbare als von einem Laken bedeckten Leichnam auf einem Tisch liegen, um sich herum die aufsteigenden Reihen eines Hörsaals (Bühne und Kostüme, beides stilvoll, raffiniert: Magdalena Åberg). Auch späterhin wirkt die Violetta ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten
Eine Sache müsse er jetzt noch sagen. Nicht um Musikalisches ging es in diesen Minuten, um das Programm mit Strauss und Brahms, sondern um so viel mehr. Dankbar sei er dafür, sprach Mariss Jansons, wie sehr er mit den Musikern zusammenwachsen durfte, wie man zu einer Familie geworden sei. Die jetzt – und das sagte er nicht, weil es mitschwang in diesen Worten –...
Die Bühne dreht sich – wie jene Schraube, die im Titel rotiert. Mit jeder Windung, jedem «Turn of the Screw» erhöhen sich in Benjamin Brittens Kammeroper Druck und Beklemmung. Für die Akteure wie für die Zuschauer. Regisseur Peter Carp und Bühnenbildner Kaspar Zwimpfer entwickeln über rund zwei Stunden im Großen Haus des Theaters Freiburg einen Spannungsbogen wie...
Als im Jahr 1876 das «Rheingold» zum ersten Mal in Bayreuth erklang, ließ Richard Wagner das tiefe Es des Beginns von einer Orgel unterstützen. Im Festspielhaus gibt es sie heute nicht mehr, auch in der Partitur ist sie nicht notiert. Wahrscheinlich waren Wagner die Kontrabässe auf den zeitgenössischen Darmsaiten schlicht zu leise, wie er etwa auch die Bratschen...
