Medea, Maeterlinck und das verlorene Paradies
Zum zweiten Mal hat die Vlaamse Opera ihre (zum Teil schon länger bestehenden Kooperationen) mit freien Gruppen wie «Muziektheater Transparant» in Antwerpen, dem Musiktheaterkollektiv LOD in Gent und dem Veranstaltungszentrum De Singel in Antwerpen zu einem kleinen Festival zusammengefasst. Es sind überwiegend flämische und niederländische Künstler, die hier zu Wort kommen, und sie finden ein meist lokales, aber sehr aufgeschlossenes und interessiertes Publikum vor.
Die künstlerische Bedeutung des Unternehmens reicht aber über die Region hinaus – was nicht zuletzt in internationalen Koproduktionen zum Ausdruck kommt.
Einen tatsächlich ganz neuen Weg geht der Komponist Wim Henderickx mit seinem Musiktheater «Medea»: Die Musik entstand völlig unabhängig vom Text. Es ist ein aus einem mediterranen Idiom abgeleiteter großer Klagegesang, verteilt auf sechs Instrumentalisten und die ausdrucksstarke türkische Sängerin Selva Dolun Erdener. In einer wie improvisiert wirkenden Heterophonie überlagern sich die melismatischen Linien, verdichten sich und ziehen sich wieder zurück. Dabei lassen sie Raum für die vier langen Monologe, in denen Peter Verhelst die Medea-Tragödie als Selbstaussagen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Ingo Dorfmüller
Wenn einer in biblischem Alter noch staunen kann wie ein Kind und wenn er, mehr noch, andere mit der elementaren Kraft dieses Staunens anzustecken, mitzureißen, zu verzaubern versteht, dann ist man versucht, von einer genialen Gabe zu sprechen. Achim Freyer, der große Maler und Spieler, Sinnsucher und Rätselmann, ein Magier des Theaters, der mit fast jeder seiner...
Karl Marx war kein Marxist und Richard Wagner kein Wagnerianer. Beiden ist noch zu Lebzeiten und erst recht nach ihrem Tod das widerfahren, was revolutionären Neuerern stets widerfährt: Aus ihrem Denken wurde ein System, aus ihrer Weltanschauung ein Glauben gezimmert. Wagner hat es geahnt. Jedenfalls überliefert Cosima in ihren Tagebüchern eine vier Wochen vor dem...
Glucks «Telemaco» wurde 1765 als Festoper zur Hochzeit des späteren österreichischen Kaisers Joseph II. komponiert, nach zwei Vorstellungen abgesetzt und danach nicht mehr nachgespielt. Obwohl das zwischen «Orfeo» und «Alceste» geschriebene Werk seit 1972 ediert in der Gluck-Gesamtausgabe vorliegt, hat es seither nur ein einziges Mal den Weg auf die Bühne gefunden....
