Echter Fund

Opera Rara erweitert seine Mercadante-Reihe um die zeitweilig verbotene Römertragödie «Virginia»

Opernwelt - Logo

Saverio Mercadantes 1850 entstandene Tragedia lirica «Virginia» stand schon lange auf der Wunschliste des Schatzsucher-Teams von Opera Rara: Die Auftrittsarie des Schurken Appio war bereits vor zwölf Jahren Teil eines Recitals, das der damalige Haustenor Bruce Ford für das englische Spezialisten-Label einspielte.
In der Aufnahme, die nun als dritte Mercadante-Gesamteinspielung des Labels (nach «Orazi e Curiazi» und «Emma d’Antiochia») vorliegt, hat diesen Part Paul Charles Clarke übernommen und legt ihn deutlich verschlagener an.

Seinem Appio glaubt man den intriganten Richter, der alles versucht, um die keusche Jungfrau Virginia in seine Gewalt zu bringen – zwischen schmalstimmig räsonierendem Kalkül und Begierde ist dieser Bösewicht die zentrale und auch interessanteste Gestalt von Mercadantes später Römertragödie. Ein Rollenporträt von Format.
Tatsächlich ist Mercadantes (wegen der Zensur) erst 1866 uraufgeführtes Spätwerk ein echter Fund: Der gut zweieinhalbstündige Dreiakter zeigt den Neapolitaner auf der Höhe des frühen Verdi. Das Problem der italienischen Oper dieser Epoche, Gesangsnummern in den dramatischen Kontext einzubinden, löst er durch die Verschmelzung der (insgesamt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2009
Rubrik: Medien/CDs, Seite 29
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Editorial

Kürzlich hat der Bundesverband der Musikindustrie (IFPI Deutschland) seinen Wirtschaftsbericht 2008 veröffentlicht. Zahlen, die der Branche – zumal den vier verbliebenen Großkonzernen (EMI, Sony, Universal, Warner) – wenig Freude bereiten: Die Einnahmen aus dem Verkauf von Tonträgern sind weiter gesunken – in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um vergleichsweise...

Fremd im eigenen Land

Heute wissen wir, dass uns der Atem geraubt worden ist – und zusammen mit dem Atem das Vertrauen, dass bessere Tage der Zivilisation kommen könnten.» Mit Trauer und Wut holt Salvatore Sciarrino im Partitur-Vorwort zu seiner neuen Oper «La porta della legge» gegen das System Berlusconi und seinen kulturellen Kahlschlag aus. «Wenn ihr eines schönen Tages entdeckt,...

Derb und subtil

Vor Kurzem bewegte sich Dirk Bach noch zwischen Kakerlaken und Känguruhoden. Dass der Kölner Comedian mit der barocken Figur und dem Hang zum trashigen Humor viel mehr kann, als das RTL-Dschungelcamp mit allerlei Hüten und Zoten zu dekorieren, zeigte das langjährige Ensemblemitglied des Kölner Schaupielhauses am Berner Stadttheater in Brittens «A Midsummer Night’s...