Nicht in hellblau...
Ein Schrei aus dem Dunkel. Grässlich, schrill und outriert. Man wartet aufs «Triff noch einmal» Elektras, doch dies hier ist nicht Strauss’ Atridenoper, sondern Manfred Trojahns Weiterdenken, es ist «Orest». Und Klytämnestras Todesschrei zu Beginn stellt nach Aussage des Komponisten eine artifiziell formulierte Erinnerung an Strauss dar.
Mittlerweile wird Orest von seinen Schuldgefühlen fast in den Wahnsinn getrieben. Durch seine Tat hat er die Erinnyen erzürnt, Repräsentantinnen eines untergehenden Matriarchats, die ihn als peinigendes Gewissen verfolgen.
Gott Apollo wiederum – Vertreter der aufstrebenden Väterherrschaft –, der ihn anstiftete, zieht sich in bewährter Politikerart aus der Affäre und lässt ihn mit seinen Skrupeln allein. Die racheblinde Elektra will ihn indes weiter für sich instrumentalisieren: Helena, die ihrem Gatten Menelaos schließlich nach Argos gefolgt ist, und ihre Tochter Hermione sollen die nächsten Opfer sein. Pflichtbewusst mordet Orest Helena, doch Hermiones reiner Blick kuriert ihn; er widersteht Macht, Ruhm und der göttlichen Ordnung, findet sein Selbst und wandert mit Hermione hinaus ins Irgendwo.
Im vorzüglichen Programmbuch erzählt Manfred ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerhard Persché
Wolfgang Rihms «Jakob Lenz» hat in Frankreich gerade Konjunktur. Zwei Monate vor dem Festival in Aix-en-Provence, bei dem Andrea Breth ihre Stuttgarter Deutung erneut vorlegen wird (am Pult: Ingo Metzmacher), war das Stück nun bereits im Pariser Théâtre de l’Athénée zu erleben, das sich unter der Leitung seines Direktors Patrice Martinet seit Jahren verstärkt dem...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B =...
Seine Inszenierungen sorgen regelmäßig für Kontroversen. Weil sie Stoffe, Stücke und Charaktere bis auf den Kern abklopfen. Was bedeuten kann, dass – wie im Fall von Verdis «Traviata» – auf der Bühne nur die Hauptfigur in Erscheinung tritt oder – wie bei Mozarts «Don Giovanni» – der Held durch Abwesenheit glänzt. Es sind radikale Deutungen, die Benedikt von Peter...
