Sex and Crime, von Florenz bis San Francisco
Von fremden Ländern und Menschen», dem Eingangsstück in Robert Schumanns «Kinderszenen», fühlt man sich «wie aus der Ferne» angesprochen: nicht im Sinne spektakulärer Exotika, sondern als Ausdruck erwartungsvollen Staunens. Und selbst dem durchaus Reiselustigen kann es immer noch so ergehen, kommt er beispielsweise, in bereits vorgerücktem Alter, erstmals nach Irland. Viel hat er gehört und gelesen über die «Grüne Insel», doch nun gilt es, Klischees und Realität abzugleichen; und so stellt er fest, dass die Farbe tatsächlich den Wiesen entspricht und Regen wohl dazugehört.
«Rotblonde» gibt es zwar, keineswegs aber auffallend häufig. Den Linksverkehr findet man schnell normal. Ebenso schnell ist einem die Zweisprachigkeit vertraut: Englisch ist dominant, doch Gälisch findet sich auf allen (Straßen-)Schildern – analog zu Ladinisch oder Rätoromanisch in Italien und Schweiz oder Baskisch in Spanien. Gälisch wird immer weniger gesprochen, am ehesten noch im Westen. Doch die Symbolik bleibt hoch: Immer wieder stößt man auf Denkmäler und Inschriften, die an den Widerstand gegen die Engländer erinnern. So staunt man nur anfänglich, wenn bei Opernaufführungen das Publikum erst die irische ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard R. Koch
Die Welt ist eine Scheibe. Die Scheibe eine Arena. Sandfarben, backofenwarm ausgeleuchtet von Alex Brok. Dennoch will irisierende Stimmung nicht aufkommen. Es fehlen die Zuschauer, ihr Gejohle und Geraune, es fehlt das Flair des Stierkampfs. Es fehlt das Klischee. Lotte de Beer deutet Mérimées sevillanische Atmosphäre am Essener Aalto-Theater nur in den Kostümen...
Australien ist kulturell heute weitgehend durch Europa geprägt – auf Kosten der Ureinwohner, die seit 60 000 Jahren auf dem Kontinent leben. Im Musiktheater wird diese Kolonisierung freilich selten thematisiert. Margaret Sutherlands Kammeroper «The Young Kabbarli» (1964) über die Sozialarbeiterin und Anthropologin Daisy Bates oder Andrew Schultz’ «Black River»...
Im frisch renovierten Nationalmuseum von Stockholm kann man der Konstruktion nationaler Identität nachgehen: Wie Wikingerfolklore Keramik für die Pariser Weltausstellung 1889 inspirierte, einfach weil sich das Ausland etwas mit Wiedererkennungswert wünschte. Oder wie Anders Zorn seinen «Mittsommertanz» von 1897, jenen Inbegriff schwedischer Volksnatur, aufwendig...
