Überfällig
Ob das womöglich die beste britische Oper seit Jahren sei, fragte sich eine Rezensentin von «Opera today» 2014 anlässlich der Uraufführung von Luke Bedfords Kammeroper «Through His Teeth» im Linbury Studio an Londons Covent Garden. Wie überhaupt die Kritiker Begeisterung zeigten angesichts dieses kleinen Werks, das ursprünglich nur eine Art Beiprogramm zur «Faust»-Premiere im Großen Haus hätte sein sollen. Etwas Faustisches hat die Geschichte um den psychopathischen R.
, der zu mindestens acht Frauen gleichzeitig Beziehungen unterhielt und ihnen vorgaukelte, ein Spion des MI5 zu sein, schon: «Du lieber Gott! Was so ein Mann/nicht alles, alles denken kann!»
Klaus Simon, Gründer und Leiter der Freiburger Opera Factory (vormals: Young Opera Company), befand die Partitur für kunstvoll, klug gestrickt, und brachte die Deutsche Erstaufführung auf den Weg. Tatsächlich: Bedfords Musik im Geist der Postmoderne ist gekennzeichnet von Originalität und Pragmatik. Mit ihrer die Mittel der Filmmusik aufgreifenden Erinnerungsmotivik schafft sie suggestiv musikalische Reibungen. Bedford arbeitet zum Teil mit Vierteltonintervallen, löst aber die daraus resultierenden extremen Spannungen nach ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Alexander Dick
Eines Abends in Peking erschien mir im schweren Smog Konfuzius und schenkte mir Erkenntnis. Wie üblich, hatte man uns Programmhefte in die Garderoben gelegt. Ich nahm meines, warf einen Blick hinein – da ging mir ein Licht auf. Die Dinger sind wahre Memorabilia, der Beweis, dass man an einem bestimmten Ort war, teilhatte an etwas. Im Grunde wie Selfies, nur dass...
Ein hochmodernes Forschungslabor hat sich der Oberaffe Mustafà bauen lassen, um das Gefühlsleben der Menschen zu erforschen. Seine Horde konnte ihm ein Prachtexemplar einfangen, das nun in einem Glaskäfig gehalten und akribisch untersucht wird. Da sein Interesse längst nicht mehr dem Affenweibchen Elvira gilt, soll ihm sein Laborleiter Haly nun eine menschliche...
Den Goethe-Liedern von Schubert (August 2015) lässt der Tenor Mauro Peter knapp ein Jahr später ein veritables Schumann-Album folgen. Zwar gibt auf dem Cover der bedeutende Heine-Zyklus «Dichterliebe» op. 48 den Ton an, doch bilden die folgenden ausgewählten Gesänge (neben den Fünf Liedern op. 40 weitere zehn Heine-Vertonungen) mehr als bloß Beiwerk. Und dies nicht...
