Eine Muse namens Jack

Offenbach: Les Contes d’Hoffmann Oslo / Opernhaus

Opernwelt - Logo

Entstehungs- und Aufführungsgeschichte von Offenbachs «Contes d’Hoffmann» sind verworren und verwirrend. Als der deutsch-französische Komponist 1880 starb, hinterließ er seine einzige Oper unvollendet, so dass es in der Folge eine ganze Reihe von Bearbeitungen, Ergänzungen und Umstellungen ge­geben hat. Da eine finale Fassung nicht existiert, setzt jede neue Inszenierung die Auseinandersetzung mit der Frage voraus, in welcher Gestalt das Werk auf die Bühne gebracht werden soll.



Calixto Bieito hat bei seiner Interpretation des Stoffes an der Norske Opera in Oslo eine gewohnt extreme Antwort auf diese Frage gefunden. Er fleddert geradezu den Fundus des vorliegenden komponierten Materials und baut sich daraus – wie Spalanzani seine Olympia – eine eigene Hoffmann-Version. Die Handlung wird radikal auf ­einen Minimalplot eingedampft, wobei nicht nur Dialoge und Rezitative, sondern gleich ganze Szenen und Personen dem Rotstift zum Opfer fallen.

Das Ergebnis überzeugt: Bieito bricht den traditionellen Mythos vom romantischen Künstler auf, der durch den Mix aus Rausch und unerfülltem Liebesideal zum genialen Autor wird. Sein Hoffmann, stimmlich und gestisch überzeugend dargestellt von Evan ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Andreas Bücker

Weitere Beiträge
Deprimierend brav

René Pape als bewegender Gurnemanz, Angela Denoke als verstörend-schizophrene Kundry und Willard White als beherrschter Klingsor – drei eindrucksvolle Sängerdarsteller in subtil gestalteten Rollenporträts glänzen am Royal Opera House von Covent Garden in Richard Wagners «Parsifal». Antonio Pappano am Pult tastet sich zunächst etwas schwerfällig durch die Partitur,...

Was kommt...

Der Fall Renata
Anders als die «Drei Orangen» und «Der Spieler» hat es «Der feurige Engel» nie ins Repertoire geschafft. Die Komische Oper Berlin startet einen neuen Versuch. Die Geschichte von dem Mädchen, das den Teufel in Engelsgestalt liebt, inszeniert der Schauspielregisseur Benedict Andrews.  

It’s got that swing!
Sie erzählt die Story von Queenie, Inhaberin...

Schwarze Romantik

 Manfred trägt eine dunkle Livrée mit zwei Reihen silberner Knöpfe. In dieser Uniform wird er mit seinen Dämonen ringen, wird er, ruhig und beherrscht, in den selbstgewählten Tod gehen. Bleich das Gesicht, hohl die Augen. Der düstere Held aus Lord Byrons gleichnamigem Gedicht tritt an der Pariser Opéra Comique als eine Art Kammerdiener auf. Seine zwiespältige...