Unaufdringlich eindringlich
Nach ihrer 2016 erschienenen CD mit Vokalmusik von Erik Satie und diversen diskografischen Ausflügen als Dirigentin kehrt Barbara Hannigan, wiederum begleitet von Reinbert de Leeuw, zum Liedrepertoire zurück. Zusammengestellt haben die beiden Künstler diesmal ein Programm, das mit Werken von Schönberg, Webern, Berg, Zemlinsky und Alma Mahler ins Wien des Fin de Siècle führt – an jene Schwelle zur neuen Musik, wo die «Luft von anderem Planeten», wie es in dem später von Schönberg vertonten George-Gedicht heißt, zwar schon zu ahnen ist, aber noch nicht wirklich weht.
Es sind ausnahmslos Lieder junger, noch in den Zwanzigern stehender Komponisten, die an den Grenzen der Tonalität rütteln – am entschiedensten Webern in seinem fast konstruktivistisch-durchsichtigen Satz, am wenigsten der noch ganz im Bann von Brahms stehende, gefühlvoll-konventionelle Zemlinsky, während in Bergs lyrisch-emphatischer, selbst vor Strauss’schen Aufschwüngen nicht zurückschreckender Melodiosität sich bereits der Musikdramatiker ankündigt. Für sich steht Alma Mahler, von deren wenigen Liedern man nicht so genau weiß, wer sie wirklich «komponiert» hat. Für sich steht aber auch, mit der abschließenden ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Uwe Schweikert
Das letzte Wort ist noch nicht gesungen. Etwas mehr als die Hälfte des Textes, der ihn seit einer gefühlten Ewigkeit umtreibt, hat György Kurtág nun «vertont». Aber natürlich ist er mit «Fin de partie» nicht fertig. Mit dieser stockenden, komischen, lakonisch atmenden Sprachmusik Samuel Becketts, der er 1957 in Paris erstmals begegnete, kurz nach der Uraufführung...
Karl Kraus’ hintersinnige Pointierung des Wortes «Familienbande» trifft auch auf Antonio Vivaldis Oper «La verità in cimento» zu, die jetzt den 13. «Winter in Schwetzingen» eröffnete. Sieben Jahre hatte der Heidelberger Operndirektor Heribert Germeshausen im Rokokotheater in einem spannenden Gang durch die Geschichte die Entwicklung der neapolitanischen Seria...
Die Große Historische Oper französischen Zuschnitts kam nach den Erfolgen Meyerbeers und Halévys in den 1840er-Jahren auch bei deutschen Komponisten in Mode. Wagners «Rienzi» ist das prominenteste Beispiel, große Beachtung fanden seinerzeit auch die Opern von Franz Lachner und Peter Joseph von Lindpaintner. Zwei Mitschnitte konzertanter Aufführungen rufen ihre...
