Augenzwinkernd
Das Orchester als Dialogpartner. Es wird zum wahrhaft verschmitzten Diskutanten. Schüttet Spott und Ironie über den Saiten aus, Schalk stiebt aus Flöten und Blech. Verdis «Falstaff» kann für ein Orchester im besten Fall zur schmucken Visitenkarte geraten, aber auch, im schlimmsten Fall, zum kollektiven Offenbarungseid. Das London Symphony Orchestra hat sich im Jahr seines 100. Geburtstags ein eigenes Geburtstagsgeschenk bereitet – den Mitschnitt einer konzertanten «Falstaff»-Aufführung, veröffentlicht in der orchestereigenen Reihe «LSO live».
Die Londoner sind in bester Spiellaune. Sie verleihen der Partitur ein Eigenleben, unterstützt durch eine famose, weil gleichermaßen direkte wie transparente Aufnahmetechnik. Wenn von «Falstaff» und einem kreuzfidelen Orchester die Rede ist, fällt der diskographische Blick sofort auf die Wiener anno 1966 unter Bernstein. Gut, die philharmonischen Streicher erzeugen Seidentöne, die Holzbläser blasen feinste Klangwölkchen. Doch darf sich diese von Colin Davis geleitete Aufnahme durchaus damit messen lassen, zumindest über weite Teile. Sie besticht durch Pfiff und Rasanz und, vor allem, durch eine geschlossene Mannschaftsleistung. Hier spielt ...
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Dreieinhalb Opern des Komponisten und Dirigenten Peter Eötvös liegen inzwischen vor: «Tri sestri» («Drei Schwestern») nach Tschechows Schauspiel, «Le Balcon» nach dem Theaterstück von Jean Genet, das subtile, schmaler dimensionierte Klangtheater «As I Crossed a Bridge of Dreams» sowie die jetzt in Paris am Châtelet-Theater uraufgeführten «Angels in America»,...
Lucrezia hat keine Chance: Blutschande mit Vater und Brüdern, der Gifttod, den ihre Hand so gern und oft gereicht haben soll – sie ist gerichtet von zahllosen Geschichtsschreibern. Und wenn auch aus Historikersicht wohl an all dem nichts dran ist, so lebt das Ungeheuer Lucrezia Borgia doch fort in unseren Köpfen, kolportiert auch von Victor Hugos Schauspiel und...
Clemens Krauss, damals noch Operndirektor in Frankfurt, winkte erst einmal ab, als ihm die Deutsche Erstaufführung von Weinbergers «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» (UA Prag, 1927) angeboten wurde. Das sei eine rein tschechische Angelegenheit, die in Deutschland keine Aussicht auf Erfolg habe. Als die Premiere dann kurz darauf im Stadttheater Breslau über die Bühne...
