Springflut

Antonio Pappano eröffnet seine römische Spielzeit mit Brittens «Peter Grimes»

Opernwelt - Logo

Im Jubiläumsjahr trägt er Verdi nach London und Britten nach Rom – für einen Italo-Briten wie Antonio Pappano ist das nur konsequent. Das «War Requiem» der Accademia di Santa Cecilia kam gerade bei Warner Classics heraus. Jetzt hat Pappano seine italienische Saison mit «Peter Grimes» eröffnet. Brittens Sturm-Oper funktioniert schließlich konzertant genauso gut wie Wagners «Holländer» (am Vorabend in Norwegen gehört, siehe S. 74), wirkt szenisch auch ohne Szene.

Leider klingt im Vergleich zur sublimen Forte-Gewalt der Osloer Philharmoniker das römische Ensemble mitunter hart und lärmfreudig. Vielleicht ist es einfach das Begleiten nicht gewohnt ( eine Fähigkeit, für die Pappanos Orchester in Covent Garden oft gerühmt wird). Sei’s drum – das italienische Feuer im britischen Idiom ist für das Sturmgetöse, für die sarkastisch-bissigen Untertöne der Partitur durchaus günstig. Dass sie auch zu Feinheiten fähig sind, zeigen die Accademisten in den orchestralen Zwischenspielen. Berückend im Interlude IV die Solobratsche über den Celli und Bässen, herrlich, wie sich mit jedem Einsatz – Horn, Oboe, Piccolo – der Klang verdichtet, bezwingend die Wärme, ja Zärtlichkeit, die die tiefen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
«Kehren wir zum Alten zurück»

Das Verdi-Jahr hat auf dem CD-Markt wenig Neuaufnahmen gebracht, und kaum eine davon kann höchsten musikalischen Ansprüchen genügen. Das bestätigt nur die Eindrücke, die im Jubiläumsjahr auch hoch gehandelte Produktionen an den führenden Bühnen und Festspielhäusern hinterließen. Wer gegensteuern will, muss in die Vergangenheit zurückgehen und sich an ­ältere...

Im Zeichen Büchners

Die großen «runden» Jubiläen haben nicht selten auch etwas vom «Trojanischen Pferd»: Sie machen viel her, blockieren aber die kreative Rezeption. Das Mozart-Jahr 2006 belegte dies: War der Trubel, zumal in Wien und Salzburg, immens, so wurde in der Folge Mozart auf den Konzertprogrammen eher rar. Wie sich die Wagner- und Verdi-Feierei 2013 auswirkt, bleibt...

Menschlich, allzu menschlich

Telramund sucht Elsa vor Lohengrin zu verstecken. Die beißt dem Intriganten dafür nach Kräften in die Hand. Vor dem großen Hochzeits-Event steigt die Truppe ins Dampfbad, werden vom Heerrufer in der Kluft des Stabsarztes Gewicht und Schädelumfang kontrolliert. Zuvor hatte der die darbende Menge aus der Gulaschkanone versorgt. Den Brabantern geht’s mies, und der...