Im falschen Film
«Lohengrin» hat gegenwärtig Konjunktur (siehe OW 5/2009). Zwischen den beiden Extremen, Stefan Herheims überbordender und das Stück wohl auch überfordernder Assoziationsfülle in Berlin und Stanislas Nordeys visionärer Askese (oder was davon in Stuttgart übrig blieb), hat sich Jens-Daniel Herzog in Frankfurt für den Mittelweg, die realistische, die psychologische Lesart, entschieden.
Elsa, Bürgersmädchen in geblümtem Rock und blauem Strickjäckchen, sucht in illusionärer Verkennung von Traum und Wirklichkeit ihren Prinzen und dieser – langhaariger Altrocker in Lederjeans, Held und Erpresser in einem – die Erlösung durch das Weib. Das Ganze, so Herzogs und seines Bühnenbildners Mathis Neidhardts schlagender Einfall, spielt in einem Kinosaal, dem Traumpalast der Masse. Wir sehen Elsa zu Beginn in Begleitung ihres kleinen Bruders – bei Wagner der ominöse Herzog Gottfried, dessen märchenhafte Wiederkehr am Ende kaum eine «Lohengrin»-Inszenierung je verständlich, gar glaubhaft macht –, sehen, wie ihn die als Eisverkäuferin getarnte Ortrud entführt. Elsa wird des Mordes angeklagt, und die Szene wandelt sich zum Tribunal. Sie wähnt sich im falschen Film und erleidet einen Filmriss – ...
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Saverio Mercadantes 1850 entstandene Tragedia lirica «Virginia» stand schon lange auf der Wunschliste des Schatzsucher-Teams von Opera Rara: Die Auftrittsarie des Schurken Appio war bereits vor zwölf Jahren Teil eines Recitals, das der damalige Haustenor Bruce Ford für das englische Spezialisten-Label einspielte.
In der Aufnahme, die nun als dritte...
Klaus Bachler lud, wen wundert’s, zum Auftakt seiner Münchner Intendanz gleich drei Sprechtheater-Regisseure ein, sich an der Oper zu versuchen. Einmal ging das gut (beim «Wozzeck» von Andreas Kriegenburg), einmal gründlich daneben (Christian Stückls knallbunte Sicht auf Pfitzners «Palestrina»). Jetzt durfte die Schweizerin Barbara Frey Janáceks «Jenufa» in Szene...
Unter den Reformopern Glucks dürfte die 1777 uraufgeführte «Armide» derzeit den höchsten Aktualitätswert besitzen: Wenn die Titelheldin erkennen muss, dass wahre Liebe in einer einzig durch Konsum und Konvention bestehenden Gesellschaft keine Chance hat, passt das auf die durchsexualisierte Welt des 21. Jahrhunderts. Und wenn Armide am Ende von ihrem Rinaldo...
