Die Wiederaufsteher
Manche Dirigenten leisten den Mammutteil ihrer Arbeit in den Proben, setzen im Konzert sozusagen nur noch das i-Tüpfelchen auf. Nicht so Claudio Abbado. Nicht selten hat er Musiker verärgert, weil sie in den Proben einfach nicht wussten, worauf er hinauswollte, weil er nichts verriet, sie einfach spielen ließ. Aber im entscheidenden Moment setzt sich dann plötzlich alles zusammen, und hin und wieder gibt es magische Momente – wie in seinem ersten «Tristan», den er 1998 konzertant in der Berliner Philharmonie dirigierte – eine Aufführung, von der die Redaktion heute noch spricht.
Abbado war Musikdirektor an der Scala und der Wiener Staatsoper, leitete das London Symphony Orchestra, folgte schließlich 1989 Karajan auf den Chefposten der Berliner Philharmoniker. Er hat aber auch seit jeher leidenschaftlich gern mit jungen Musikern gearbeitet – etwa als Gründer des Gustav Mahler Jugend Orchesters und des Lucerne Festival Orchestra. 2000 wurde bei ihm Magenkrebs diagnostiziert. Er schaffte es, kam zurück, musste 2007 erneut Termine absagen – und stand auch diesmal wieder auf. Seither wird er mit neuer Inbrunst verehrt – weil jedes Konzert den Nimbus des Vielleicht-Letzten trägt. Am 26. ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Wiebke Roloff
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