Wiener G’schichten
Zuerst einmal sei von Nestroy die Rede, den die Wiener so lieben, von «Einen Jux will er sich machen», vom «Zerrissenen». Oder von «Freiheit in Krähwinkel». Vielleicht auch vom «Bösen Geist Lumpazivagabundus». Denn zwischen den Assoziationen, die diese Titel auslösen, pendelt die Posse, die im Moment in Wien um den Staatsoperndirektor aufgeführt wird. Wer kommt nach Ioan Holender? Gerüchte lassen die Diskussionen erglühen, füllen die Gazetten.
Im Gespräch sind einige, doch soll der Nachfolger bereits feststehen – in Person des Tenors Neil Shicoff, eines Freundes von Kanzler Alfred Gusenbauer. Wird also die Ausschreibung der Position im Frühjahr auch zur Nestroy’schen Posse? Wir kommen am Schluss dieses Berichts darauf zurück.
Wichtiger scheinen zunächst die Konstellationen, die es auf der Bühne gab. Etwa bei der Staatsopern-Premiere von Massenets «Manon» – natürlich mit dem entsprechenden Hype im Vorfeld: Anna Netrebko sang die Titelpartie, wofür sie bereits beim Opernball PR treiben musste, von einem Pferdegefährt aus und mit dem Staatsoperndirektor als Edelkutscher in roter Livree. Die andere Hälfte des «Traumpaars der Oper», Rolando Villazón, war zu dieser Zeit auch in Wien, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Glücklich ein jeder, der dieser Muse angesichtig wird. Ein ätherisch schönes Wesen, blond wie ein Engel, anmutig in den Bewegungen, mit geschmeidiger, einschmeichelnder Stimme – Gesine Nowakowski ist es, höchst talentierte Sängerin, noch nicht ganz zur Reife gediehen. Dirigent müsste man sein, jedenfalls in dieser durch und durch sehenswerten Produktion, dann würde...
Der Schwarz- und Graumarkt ist ein finstres Fass – allerdings mit zahlreichen Löchern durchbohrt, so dass selbst vermeintlich streng gehütete Geheimnisse längst in die weite Welt entweichen konnten. Dazu zählt etwa der 1953 in Bayreuth mitgeschnittene «Ring» unter Clemens Krauss. 1953 dirigierte Krauss dort zum ersten Mal Wagners Tetralogie, im Folgejahr hätte ein...
Wer in Aachen in die Oper will, muss sich auf eine Insel begeben. Eine Art «Ile du Théâtre», denn der weiße Bau mit seinem Säulen-Entrée ist zu allen Seiten von Straßen umgeben. Man hat eine der dicht frequentierten Kreuzungen zu überwinden. Ein stadtplanerischer Unglücksfall?
Als der Bau in den frühen 1820er Jahren Gestalt annahm – nach Plänen, die Friedrich...
