Auf halbem Wege
Die Oper kann etwas, das alle anderen Künste nicht können: die Simultaneität von Zeit und Raum», behauptet Michael Hampe in seiner «Opernschule», die sich an «Liebhaber, Macher und Verächter des Musiktheaters» wendet. Hampe möchte mit dem Buch auch Skeptiker für die Oper begeistern. Dabei macht er von Anfang an klar, dass es ihm um die Oper als Kunstwerk geht, nicht um die Institution, den Betrieb – der ist ihm geradezu verhasst.
Möglichst praxisnah hangelt Hampe sich von Grundpfeiler zu Grundpfeiler des Inszenierens, worin er in erster Linie ein Handwerk sieht – da hagelt es auch mal Seitenhiebe auf Quereinsteiger, denen eine Partitur ein Buch mit sieben Siegeln ist. Die verbale Forschheit bekommt dem Text durchaus, ganz gleich ob man inhaltlich mit dem Autor übereinstimmt oder nicht. Auch die eingestreuten Anekdoten, etwa mit Tito Gobbi und Maria Callas, sind durchaus leserfreundlich.
Interessant sind zumal die Abschnitte zum Thema «Körper im Raum» und «Bewegung», zur szenischen Gestaltung von Rezitativen, der Integration von Hindernissen und anderen spannungsfördernden Unbequemlichkeiten. Auch Hampes Appell an die Sänger, Schubladendenken zu vermeiden, und sein Votum für eine ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Christoph Vratz
Zufall oder nicht: Die allermeisten der von mir erlebten «Boris»-Neuinszenierungen der letzten Jahrzehnte stützten sich auf den sogenannten Ur-Boris von 1869 – ohne Polen-Akt und Kromy-Bild, nach des Komponisten späterer Absicht das Finale eines «Volksdramas» mit einem kollektiven Subjekt als Hauptprotagonisten. Mit dieser Version spekulieren die Theater auf ein...
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Fernöstliche Esoterik als Antwort auf den westlichen Zivilisationsschock: Auch auf der Opernbühne scheint dieses Rezept zu funktionieren, das zeigt etwa der Erfolg von Toshio Hosokawas Musiktheater «Matsukaze» (Wind in den Kiefern). Nach der Brüsseler Uraufführungsproduktion (OW 6/2011), die auch in Berlin, Warschau und Luxemburg gezeigt wurde, folgte eine...
