Banalität des Bösen
Vielleicht ist der Zusammenhang zufällig. Aber der Auftrieb der nationalistischen Kräfte in Deutschland und ihre Versuche, die Geschichte des Rassismus nach ihrer Ideologie zu «korrigieren, scheint die Theater zu deutlichen Stellungnahmen zu animieren.
Dazu gehört die Konjunktur von Viktor Ullmanns Kammeroper «Der Kaiser von Atlantis», die im Konzentrationslager Theresienstadt komponiert und von einem hochkarätig besetzten Ensemble – darunter der Dirigent Raphael Schächter und der Bariton Karel Berman – im Sommer 1944 bis zur Generalprobe einstudiert wurde; danach wurden die meisten Mitwirkenden ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. In Wien, Dresden und Köln stand das Werk auf dem Spielplan, demnächst folgen Kaiserslautern und Basel. Und auch an der Werkstattbühne der Bonner Oper wurde das Stück gegeben, in Zusammenarbeit mit dem Beethovenfest, das unterm Generalthema «Schicksal» nicht nur des Meisters Fünfte, sondern auch manche durch Krieg und Verfolgung traumatisierte Musik des 20. Jahrhunderts vorgestellt hat.
Dabei ist die Inszenierung von Ullmanns Meisterwerk, das parabelhaft, aber unverkennbar spiegelbildlich auf den Terror der Nazis und die Grauen ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Michael Struck-Schloen
Nur 20 Kilometer liegt Severodonetsk von der Front entfernt, im äußersten Osten der Ukraine. Seit 2014 ist das Gebiet teilweise von russischen Separatisten besetzt. Bis heute wird an der nahen «Grenze» geschossen. Ein Jahr nach Ausbruch des Konflikts besuchte Peter Schwarz, rühriger Kopf des Stuttgarter Kulturvereins Vladopera, die unwirtliche Chemiestadt (100 000...
Vorn ist einer laut schnarchend eingeschlafen, rechts drängen sich Empörte aus dem Saal, links fließen stille Tränen. Flüstern überall: Das Publikum weiß nach der Pause nicht, wohin mit sich in Romeo Castelluccis «Zauberflöte» an der Brüsseler Münze.
Doch der Reihe nach. Zunächst knöpft der Regisseur sich den Wunsch nach einem Mozart’schen Märchen vor, indem er...
Glücklich das Haus, das ein solches Stück mit eigenen Kräften besetzen kann; unglücklich jedoch, wenn es ein Regieteam engagiert, das diesen Kräften durchweg misstraut. Pantomimische und tänzerische Duplikate sind mittlerweile fast schon zur Regel geworden, auch haben wir uns längst an Simultanhandlungen auf der Leinwand gewöhnt, die entweder das Bühnengeschehen...
