Logenplatz für die Kleinen
Blättert man die aktuellen Monatsblätter deutschsprachiger Bühnen durch, drängt sich der Eindruck auf, dass die Kleinen inzwischen die Größten sind. Kein Haus, das es sich noch leisten könnte, den minderjährigen Nachwuchs bei der Programmgestaltung zu übergehen. Und die Angebotspalette ist so farbig wie bei den «Alten» – sie reicht von Bearbeitungen bekannter Opern bis zu Uraufführungen, von Gesprächskonzerten bis zu Mitmachprojekten.
Hat die Sache unterhaltsame Qualität, lässt sich die Zielgruppe nicht lange bitten: Kaum ein Genre verzeichnet derzeit ähnliche Wachstumsraten wie die Kinderoper.
An der Oper Köln stand das junge Gemüse schon hoch im Kurs, als andernorts Leute unter zwanzig noch eher als Störfaktor galten: 1996 staunte das etablierte Publikum im Rangfoyer nicht schlecht über ein knallbuntes Holztheaterchen, in dem Stücke für Kinder und Jugendliche spielten. Den Anfang machte Strawinskys magische «Nachtigall», es folgte eine Ausgrabung: Bernhard Sekles’ Märchenoper «Die zehn Küsse». Weiter ging es mit Respighis «Dornröschen» und Ravels «Das Kind und der Zauberspuk». Der Laden brummte, sämtliche Vorstellungen (stets zu familienfreundlichen Zeiten) waren ...
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m Schluss der neunzigminütigen Aufführung stolperte Hans Neuenfels wie ein großes Kind auf die Bühne des Basler Theaters: als wollte und könnte er die Begeisterung des Publikums nicht recht begreifen. Das Ritual, das sonst allerorten die Premieren beherrscht – Beifall für die Solisten und den Dirigenten, Buhs für das Regieteam – war an diesem Abend außer Kraft...
In neuem Glanz erstrahlt die Anna-Amalia-Bibliothek, fast vergessen ist die horrible Brandnacht von vor drei Jahren. Anlässlich der Wiedereröffnung, deren Datum nicht zufällig mit dem Geburtstag der kunstsinnigen Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel zusammenfiel, machte die Klassik-Stiftung einige Extra-Euros locker, um in würdevollem Rahmen der Regentin und...
Vor einhundert Jahren stemmte in Trier ein siebenundzwanzigjähriger Kapellmeister fast im Alleingang Wagners «Ring». Der junge Wilde hieß Heinz Tietjen und entfachte als Regisseur und Dirigent in Personalunion an der Mosel ein regelrechtes «Wagner-Fieber», wie die Lokalpresse damals vermerkte. Es war der Startschuss für eine Karriere, die ihn zum preußischen...
