Wer ist der Gral?
Das Werk steht als Rätsel vor uns. Es geht im sprichwörtlichen Sinne um eine Glaubensfrage: Was der Gral ist, oder eben nicht, liegt an der Perspektive dessen, der auf den Schrein schaut. Ist diese Perspektive eine gleichsam gottgewollte, gottwollende, gar gottgeweihte, so lässt sich in der Tat enormes kathartisches Potenzial im «Parsifal» behaupten und auch begründen. Für diese Perspektive, so man sie mit dem Zusatz des Futuristischen füttert, steht die Inszenierung von Werner Herzog im Palau de les Arts von Valencia: Hier wird eine Messe gesungen.
Ist die Perspektive jedoch eine agnostische, so kommt man nicht umhin, das Bühnenweihfestspiel («dieses letzte und heiligste meiner Werke», wie es sein Schöpfer nannte) auf seine Subtexte zu befragen. Schwer, allzu schwer fällt es, den Erlösergedanken als gültigen (religiösen) Inhalt zu akzeptieren. Schon Carl Dahlhaus, der sich dem Werk parteilos zu nähern suchte, konnte nicht mehr (und nicht weniger) als «unleugbar ein Dokument der ‹Kunstreligion› des 19. Jahrhunderts» sehen – ein Werk mithin, das Religion im klerikalen Sinn überwinden will, der Kunst religiöse Züge attestiert und dennoch, wie Wagner schrieb, den «Kern der Religion» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Die Frau ohne Schatten» ist gespickt mit Anspielungen und Motiven, mit Zitaten und Entlehnungen; sie lässt sich nicht wirklich inszenieren, ohne dass es an einigen Stellen gründlich hakt. Wer als Regisseur jeden Bezug, jedes Symbol mit einer Erklärung versehen möchte, ist schnell verloren.
Auf diesem Hintergrund verdient Guy Joostens Produktion für die Düsseldorfer...
Die Opernproduktionen deutscher Stadttheater sind flüchtige Güter: Nach oft nicht mal einem Dutzend Vorstellungen verschwinden sie schon wieder vom Spielplan, und während in Italien jede vom Repertoirewert auch nur halbwegs interessante Produktion ein williges Piratenlabel findet, blieb von den ambitionierten Entdeckungen und Neuinterpretationen hiesiger...
Vor zehn Jahren haben wir die erste «Opernwelt»-CD produziert. Die Reihe, die seitdem entstanden ist, kann sich sehen und vor allem hören lassen – und sie folgt einer Grundidee. Alle diese CDs waren Sängerinnen oder Sängern gewidmet, die von der Plattenindustrie vernachlässigt wurden und wenig Chancen hatten, ihre Kunst und ihr Können für spätere Generationen zu...
