Short Cuts
Ein ausgebombtes Bühnenhaus. Das des Schiller Theaters vor 70 Jahren? In seinen Ruinen wollte Intendant Heinrich George «Ödipus» inszenieren, um sein Ensemble (u. a. Walter Felsenstein, Horst Caspar, Will Quadflieg) vor der Front zu bewahren. 1950 wurde es wieder aufgebaut. So lange das Stammhaus Unter den Linden saniert wird, ist nun die Berliner Staatsoper zu Gast. Katie Mitchell hatte eine andere Assoziation: Sie lässt Frank Martins zwischen 1938 und 1942 entstandenes Oratorium «Le Vin herbé» im Frankreich der Okkupation spielen.
Die britische Regisseurin hat mehr als eine Hommage an den Genius Loci im Sinn.
Wenn sich der Eiserne Vorhang hebt und der in Fetzen herabhängende Samtvorhang teilt, sehen wir zwölf schwarz gekleidete Männer und Frauen. Sie sind noch einmal davongekommen und stellen Teelichter an die Rampe. Es werde Licht. Mitchell beschwört den Urvorgang des Theaters: eine einfache, passgenaue Entsprechung für Martins homophon raunenden Prolog, der in mythische Vergangenheit hinabsteigt, um die archetypische Tristan-Sage ewig-tragischer Liebe heraufzuholen. Dabei stützt er sich nicht wie Wagner auf das modern-raffinierte Epos Gottfrieds von Straßburg, sondern auf ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Boris Kehrmann
Krzysztof Meyer gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten Polens, doch wird seine Reputation kaum mit dem Musiktheater in Verbindung gebracht. Maßstäbe setzte seine Schostakowitsch-Biografie, in Erinnerung ist auch seine Komplettierung von Schostakowitschs Fragment «Die Spieler» nach Gogol. Seine eigenständige Oper «Cyberiada» nach Erzählungen von...
Nach Walhalls Feuertod stehen, wie von Zauberhand herbeigeschafft, Gestecke auf der leeren Bühne. Und aus dem Unterboden fährt ein Wagner-Konterfei (frei nach Lenbach) auf, gerahmt, filmplakatgroß, mit Barett, Samt und Seide. Das Publikum ist im siebten Himmel. Stehende Ovationen für den Jubilar. Erst dann treten Solisten, Dirigent und Produktionsteam ins...
Schmacht, schmatz, grummel, tob, peng, ächz, krächz, schluchz. Verdis Troubadour in Sprechblasen? «Alles drängte in ihm zum Ausruf, zum Aufschrei, zur Kürze. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte er Opern komponiert, deren Text nur Jubelrufe, Freudenlaute, Seufzer, Schmerz- und Racheschreie hätten sein müssen...» Dass das Programmheft zu Philipp Stölzls...
