Erkenntnis und Versuchung
Auch größte Mozart-Liebhaber – sind wir das nicht irgendwo alle? – haben an dieser Geschichte gezweifelt. Dass zwei Freunde ihre beiden Verlobten verlassen, um ihre Treue zu prüfen, weil sie darauf eine Wette eingegangen sind, mag man ja noch glauben. Dass sie verkleidet zurückkehren und den beiden Schwestern den Hof machen – und zwar der jeweils anderen – mit etwas gutem Willen auch.
Dass die beiden Frauen auf den Mummenschanz hereinfallen und die Männer über zwei Akte über nicht erkennen – nun wirklich nicht… Vor allem die Musik macht in «Così fan tutte» deutlich: Hier wird etwas ganz grundlegend verhandelt, nämlich der Beziehungskanon der beiden Geschlechter.
Schon lange hat man das nicht mehr so gründlich, überzeugend und überdies so ästhetisch ansprechend erlebt wie in Philipp Himmelmanns Neuinszenierung im Festspielhaus Baden-Baden. Und – so musikalisch. Wenn es einen Regiepreis gäbe für das sorgfältigste Zusammenspiel von Musik, Text, Szene und Bild – Himmelmanns «Così» wäre ein heißer Aspirant. Schon der Titel der rätselhaftesten der drei Mozart-Da-Ponte-Opern animiert zum Spiel: Aus der reichlich defätistischen These des Don Alfonso, des Verursachers der Wette, «So machen’s ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Alexander Dick
Mit ihren knapp zwei Stunden Musik scheint sich die Oper «Senso» eher am Format eines Liebesfilms zu orientieren als an dem einer festlichen Grand Opera, wie man sie anlässlich der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum der italienischen Einheit erwarten würde. Episch ist sie also nicht, zumal die Handlung auf Camillo Boitos 1883 veröffentlichtem gleichnamigen...
Ein paar Tage vor dem Probenbeginn in München war sie spazieren. Unweit von Zürich, in der Nähe ihres Hauses, wo sie noch einmal den Kopf freibekommen wollte für die nächsten Wochen. Da durchfuhr sie ein merkwürdiges, ein überraschendes Gefühl: «Was ist denn das?», habe sie sich gedacht. «Auf einmal freue ich mich richtig auf die ‹Traviata›.» Und irgendwie, so...
Schlafwandlerin der Liebe ist Violetta nicht. Keine «Seele, die sich im Jenseits den Schlaf aus den Augen reibt», wie Alwa von Lulu schwärmt. Man mag derlei Gedankenspiele pflegen, weil Marlis Petersen 2003 mit der Titelfigur in Peter Konwitschnys Hamburger Inszenierung von Alban Bergs Oper ihren Durchbruch schaffte. Und weil sie nun in Graz erstmals die Traviata...
