Aufguss, Abguss
Günter Krämer und Gerd Albrecht brachten in den neunziger Jahren einen «Ring» in Hamburg heraus. Andreas Reinhardt, langjähriger Kombattant, hatte damals die kühlen (und mit Elementen der Industriekultur prunkenden) Bilder entworfen: großzügig, modern, solide.
Nun ergriff Krämer die Chance zu einer neuerlichen Auseinandersetzung mit einem der Hauptwerke des 19. Jahrhunderts. Er inszeniert für die Riesenbühne der Opéra Bastille in Paris (und für das kulturkonservative Konzept des neuen Intendanten Nicolas Joël). Das Ausstattungs-Team hat gewechselt.
Jürgen Bäckmann ist für die Bühnenarchitektur zu Diensten, Falk Bauer für die Kostüme. Nicht geändert aber wurde die Grunddisposition. Nur, dass sich die Anleihen bei Industrie-Design und die Kleidung nach knapp zwei Jahrzehnten etwas verschoben haben. Am Ende kommt Krämer dem Pariser Publikum besonders entgegen, wenn die Götter Kriegshelme mit Adlerflügeln aufsetzen und die altdeutschen Buchstaben des Wortes «Germania» in die Totengedenkstätte Walhall hinaufgetragen werden.
Philippe Jordans Handschrift tendiert nicht zu kolossal-flächigen Effekten. Der Musikchef des Hauses fordert dem glänzend disponierten Orchester alle erdenkliche ...
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