An der Kitschgrenze

Live aus der Wigmore Hall: Joyce DiDonato und das Brentano String Quartet mit Liedern von Richard Strauss, Claude Debussy und Jake Heggie

Opernwelt - Logo

«L’Ȃge mûr» («Das reife Alter») heißt eine der bekanntesten Plastiken von Camille Claudel. Sie zeigt eine junge Frau, die flehentlich nach der Hand eines davoneilenden Mannes greift, den eine alte Frau mit sich zieht. Die Bildhauerin spiegelte darin eine Ursituation ihres Lebens:  die dauerhaft aussichtslose Liebe zu ihrem 24 Jahre älteren Lehrer und zeitweisen Geliebten Auguste Rodin. Dass Rodin sich letztlich gegen sie entschied, gehörte zum tragischen Verlauf eines Lebens, dessen letzte 30 Jahre Claudel in der Nervenheilanstalt von Montdevergues verbrachte.

Mit stark biografischen Parallelen zwischen Leben und Werk konzipierten der Komponist Jake Heggie und Librettist Gene Scheer den Zyklus «Camille Claudel: Into the Fire» für Stimme und Streichquartett, den Joyce DiDonato bereits 2012 uraufgeführt hat. Nun liegt der Mitschnitt einer Aufführung aus dem vergangenen Jahr in der Wigmore Hall vor, nachdem zu Jahresbeginn bereits die Oper «Great Scott» erschienen war, die Heggie ebenfalls für DiDonato geschrieben hat.

In seinem subtil instrumentierten Liederzyklus greift der amerikanische Komponist geschickt die musikalische Atmosphäre des «impressionistischen» Zeitalters auf, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Im Räderwerk

Wenn sich der Vorhang öffnet, gibt die Szene den Blick frei auf eine mit Toten übersäte, unablässig kreisende Drehbühne. Von oben senkt sich ein blecherner Lautsprecher herab, aus dem die Schlussansprache aus Charlie Chaplins Film «Der große Diktator» ertönt. Der flammende Aufruf für Frieden und Freiheit ist ein gleichsam vorauseilender Kommentar zu dem, was uns in...

Stockholm im Divenfieber

Im frisch renovierten Nationalmuseum von Stockholm kann man der Konstruktion nationaler Identität nachgehen: Wie Wikingerfolklore Keramik für die Pariser Weltausstellung 1889 inspirierte, einfach weil sich das Ausland etwas mit Wiedererkennungswert wünschte. Oder wie Anders Zorn seinen «Mittsommertanz» von 1897, jenen Inbegriff schwedischer Volksnatur, aufwendig...

Tödliche Begierde

Medea. Allein der Name provoziert, irritiert, spaltet den, der ihn in den  Mund nimmt. Ruft Entzücken wie Entsetzen hervor, lässt das Herz beben, die Seele erzittern. Medea. Ein Hall von Assoziationen begleitet sie auf ihrem Weg, folgt der Eumeniden Erfüllerin, auf ihrer Spur: der Spur des Todes. Denken wir an Medea, schiebt sich unweigerlich eine Frage ins Feld...