Unerträglicher Spaß
Noch bevor es richtig losgeht, legt Serse in der Garderobe mit Amastre – hier nicht seine Braut, sondern seine Haushälterin – einen Quickie hin. Dann schlüpft er in den Glitzeranzug des Entertainers, betritt die Bühne, setzt sich an den pompös unter einem gewaltigen Rundbogen aus Klaviertasten thronenden Flügel und begleitet sich selbst zu Händels größtem Hit «Ombra mai fu». Die verliebte Huldigung des durchgedrehten Selbstdarstellers an eine Platane mutiert dabei einmal mehr zum schmalzig zelebrierten Unterhaltungskitsch.
Des rot aufleuchtenden «Applaus»-Signals hätte es nicht bedurft, um die Fans zum Jubeln zu bringen.
Mit dem antiken Xerxes hatte schon Händel nichts im Sinn; dem Opernhelden Serse verpasst Regisseur Max Emanuel Cencic in seiner Karlsruher Inszenierung mit noch größerer Entschiedenheit einen Tritt in den Allerwertesten. Für ihn ist der selbstverliebt-launenhafte König ein Popstar, was er ansteuert keine konventionelle Opernaufführung, sondern eine hippe Revue – das erkennbare Vorbild der US-Pianist Liberace, der sichtliche Ort der Geschehens das Spieler-Paradies Las Vegas. Entsprechend typengerecht frisiert er die Figuren um: Serses tuntiger Bruder Arsamene ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Uwe Schweikert
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