Himmelshölle
Es ging ziemlich rund mit Webers «Freischütz» beim Grazer «Ring-Award», und manchen am Gewohnten hängenden Opernbesucher fuhr die Wilde Jagd ganz schön um die Ohren. Gefordert war im Finale die schlüssige szenische Gestaltung des zweiten Akts. Wobei die beiden mit internationalen Theaterexperten gespickten Jurys sich einhellig für die Version von Verena Stoiber (Regie) und Sophia Schneider (Bühne) entschieden, die nicht nur den Hauptpreis, sondern auch den Löwenanteil der restlichen Preise einheimste.
Sie verlegt das Geschehen in einen «auf alter Ideologie aufgebauten Raum» – konkret: das Innere einer Kirche. Auch die Wolfsschlucht wird dort unter heftiger Anteilnahme der Kirchgänger in Form einer schwarzen Messe abgefeiert. Stoiber & Schneider diagnostizieren das Innenleben des Jägers Max als zunehmend schizophren, wobei er den negativen, «bösen» Teil seines Selbst auf den Jägerkollegen Kaspar projiziert. Überzeugend sowohl der Umgang mit der Musik, hier auf Klavier und Harmonium aufgeteilt, wie denn auch, was Stoiber und Schneider aus den Rahmenbedingungen – knappes Budget und eine Woche Probenzeit – herausholten. Und die jungen Sänger der Musikhochschulen Detmold/ Münster ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Gerhard Persché
Man muss kein Kinderhasser sein, um die Geschichte von der «Frau ohne Schatten» schwer verdaulich zu finden. Selbst wer das Drama des unerfüllten Kinderwunsches ernst nimmt, kann sich überlastet fühlen, wenn zum Schluss der Richard-Strauss-Oper der Chor der Ungeborenen seine Stimme erhebt. Regisseure flüchten da gern mal in die Ironie und lassen die Kinderwagen...
Tamerlano» (1724) wird von Händel-Kennern wegen seiner harmonischen Kühnheit und der atemberaubenden Selbstmordszene des türkischen Sultans Bajazet, eine der raren großen Tenor-Partien der Opera seria, geschätzt, vom Publikum aber eher als spröde gefürchtet. Mit diesem Eindruck macht Riccardo Minasi jetzt Schluss. Seine Tempi zielen nicht auf vordergründigen Drive,...
Am Ende steht ein roter Punkt. Er prangt auf einem überdimensionalen Schwarzweißfoto, das die tote Mimì zeigt. Schon drängen sich die Atelier-Besucher um das Bild der Toten. Das Sterben als Attraktion, als Kunstwerk, als Ware. Tod geht immer gut. Eine sichere Nummer auf jeder Vernissage. Das Bild der Hingegangenen mit rotem Punkt – schon verkauft.
Andrea Moses hat...
