Eine Nixe kommt selten allein
Es waren Momente der Magie und des Staunens. Hinter der tschechischen Grenze, so glaubten wir Kinder, begann die Welt unserer Träume. Stunden verbrachten wir vor Märchenverfilmungen aus der CSSR, später entzückte uns Pan Tau, der Magier mit Melone, der die Menschen liebte. Und in der Schule begannen wir zu träumen, wenn der Musiklehrer Smetanas «Moldau» auflegte – mit den zarten Nymphen, die im silbernen Mondlicht Reigen tanzen.
Diesen musikalischen Moment seines großen Vorgängers hatte sich Antonín Dvorák gemerkt.
Das «Lied an den Mond» wurde als Sopranarie zum weltberühmten Divenkonfekt; vor allem ist es die selige Lichtszene seiner Oper «Rusalka» von 1900, die von der Verwandlung einer Nixe in ein menschliches, aber stummes Wesen erzählt – und vom Tod, den sie dem geliebten, doch treulosen Prinzen bringen muss. Rusalka ist eins jener Fabelwesen, in deren See Mythologie und Literatur (etwa Andersen und Puschkin) gern gefischt haben, mit guten und sogar psychoanalytischen Fangergebnissen bis Jean Giraudoux und Ingeborg Bachmann.
Ein glücklicher Zufall wollte es, dass Dvoráks Oper nun innerhalb von vierundzwanzig Stunden zweimal Premiere hatte: in Brüssels Théâtre de la Monnaie und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als Team haben sie längst Operngeschichte geschrieben: Ähnlich wie beim Gespann Strauss/Hofmannsthal scheint auch zwischen Peter Sellars und John Adams jene Alchemie zu existieren, die die Grenzen zwischen Libretto und Komposition aufhebt und jedes Werk zum Produkt eines gemeinsamen schöpferischen Prozesses macht. Weder wären Sellars’ Texte ohne die Vorstellung von...
Kalt scheint der Mond, und eigentlich ist er nichts anderes als eine Projektionsfläche menschlicher Sehnsucht. Irgendwann wird darin das Gesicht einer sich schminkenden Salome sichtbar, und Salome ist es denn auch, die wenig später – spärlich bekleidet, in aufreizenden Stiefeletten – die schlichte Szene des Aachener Theaters betritt: eine Paris Hilton, die nicht...
In zwei Jahren feiert der «Rosenkavalier» seinen hundertsten Geburtstag. So langsam wird klar, welch bitterböses, ironisch-pessimistisches Stück uns Hofmannsthal und Strauss mit dieser Komödie hinterlassen haben. Wenn am Ende der Vorhang fällt, hat nicht nur der derbe Baron Ochs eine schmerzhafte Abreibung erhalten – auch die Marschallin, die sich die Zeit mit...
