Ohne Tragik
«Simon Boccanegra» hat lange gebraucht, bis er sich endlich gegen alle Widerstände durchsetzen konnte. Populär ist die düstere, schwermütig-pessimistische Oper auch heute nicht, gehört aber doch seit den 1950er-Jahren unbestritten zum Verdi-Kanon. Schallplattenaufnahmen sind rar, gelungene kann man an einer Hand abzählen. Die konzertante Produktion vom April 2013 mit den Wiener Symphonikern unter Massimo Zanetti, die jetzt auf CD erschienen ist, kann sich gegen die diskografische Konkurrenz nicht behaupten.
Die Schwierigkeiten für Sänger und Dirigent, mit dieser Musik zu fesseln und zu reüssieren, liegen im Werk selbst. «In der ‹Forza›» – so Verdi – «sind die Partien gemacht; in ‹Boccanegra› sind sie alle zu machen.» Das fängt mit der Titelpartie an, von der Verdi «Ruhe, Gesetztheit und szenische Autorität» verlangt. Hier verkörpert sie der inzwischen 58-jährige Thomas Hampson. Er gestaltet vieles sehr überlegt, bleibt aber stimmlich eindimensional. Weder hat er die nötige energische Autorität für die große Ratsszene, noch vermag er die visionäre Verzückung über das Wiedersehen mit seiner Tochter zu beglaubigen. Vor allem – und das lässt ihn hinter Tito Gobbi, dem überragenden ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Uwe Schweikert
Zunächst sieht es so aus, als sei Anthony Pilavachis neueste Wagner-Inszenierung ganz und gar aus dem Dekorativen erwachsen; Tatjana Ivschinas Bühnenbild, ein feudaler großbürgerlicher Spätbiedermeier-Salon, fügt sich geradezu ideal in den Jugendstil-Rahmen des Lübecker Bühnenportals. Ein optischer Genuss. Dann aber bemerkt man, dass der Regisseur, ohne die...
Das Theater neu erfinden, mindestens! Irgendwie will Clara Hinterberger alles. Und zwar hier. Und jetzt. Irgendwie will sie aber auch gar nichts. Bei ihr gibt es alles gleichzeitig, gleichwertig, neben- und durcheinander. Anspruch und Attitüde. Chuzpe und Fatalismus. Hintersinn und Hilflosigkeit. Kunst? Leben? Liebe? Hass? Tod? Alles Material. Bausteine....
Einer der besten Sätze von Tante Jolesch ist folgender: «Was ein Mann schöner ist als ein Aff’, ist ein Luxus». Zumindest in Österreich hat das Zitat aus Friedrich Torbergs Buch Eingang in den Sprichwortschatz gefunden. Nach diesem Maßstab gibt sich die Neuinszenierung von Puccinis «La fanciulla del West» an der Wiener Staatsoper extrem luxuriös: Jonas Kaufmann...
