Histofuturistisch
Kreta – an der Semperoper zeigt sich die Insel als ästhetische Mischung aus Raffaello-Werbewelt und Science Fiction. Die Bühne dominiert ein breiter Steg, überspannt von vier Rahmen, auf die das Meer projiziert werden kann, gepeitschter Schaum, azurne Ruhe. Kathrin-Susann Brose skizziert so eine barocke Gassenbühne. Sie kann ein Schiffsdeck sein oder die Rampe eines Space Shuttles. Historisch und futuristisch zugleich, wie Idomeneo. Michael Schulz will das Zwitterwesen aus Typen- und Charaktertheater hervorkehren.
So geht es der barocken Prachtschnepfe Elettra wie den Märchenfiguren im Disney-Film Enchanted, die sich aus der Zeichentrick- in die reale Welt verirren und dort geradezu außerirdisch wirken. Elettra schreitet zwischen den in weißen Sommerroben puristisch gewandeten Kretern umher und wünscht sich wohl, sie hätte noch die Zauberkraft einer Händel’schen Alcina, um Ilia und Idamante zu trennen. Faktisch bleibt sie eine machtlose Randfigur, die ihre Arien denn auch meist für sich singt. Am Schluss begreift sie, dass es Zeit wird, sich anzupassen; mit «D’Oreste, d’Aiace» reißt sie sich die grelle Satinrobe vom Leib und wird in schlichtem Kittel zeitgemäß.
Rachel ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Wiebke Roloff
Befreit. Gundula Janowitz sitzt in einem Stuttgarter Hotel, lächelt, kraus ist das kurze, weiße Haar, das einst, in den Sechzigern, für Promofotos hochtoupiert war. «Befreit», das Strauss-Lied hat sie oft gesungen bei ihren Liederabenden. Nun ist das Vergangenheit: 1990 hat sie ihre Opernkarriere beendet, 15 Jahre noch Liederabende gegeben. Heute sind Jurys Gundula...
Das Stadttheater Gießen steht gut da: Die Besucherzahlen stimmen, der Spielplan zeichnet sich durch Entdeckerlust aus. Ein Belcanto-Zyklus prüft selten gespielte Werke auf Repertoiretauglichkeit ab, Neues (Gala Gala von Marc-Aurel Floros) und Rares des vergangenen Jahrhunderts (Egk, Menotti und Barber) sind an dem kleinen Haus eher Regel als Ausnahme.
Zusätzlich...
Mr. Britten (gestatten Sie mir diese prosaische Anrede), noch kurz vor Ihrem Tod im Dezember 1976 hat man Sie zum Baron erhoben. Wie fanden Sie das?
Ich bin noch heute ein unverbesserlicher Sozialist. Der Titel hat meinen Ansichten über den ungerechten Zustand unserer Welt keinen Abbruch getan. Ansonsten hat es mich geärgert, dass mich Prinz Philip schon zehn...
